Hedvig!

Der Sommer mit Specki

von Frida Nilsson, Anke Kuhl (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 20. September 2016

Der Sommer mit Specki

Sucht man tolle Kinderbücher, in denen freche und lebenslustige Kinder durch die Natur streifen, Freundschaften schließen und ganz alltägliche Kinderabenteuer erleben, dann sind es vor allem die schwedischen Autoren, die hier eine wunderbare Mischung finden. So hat beispielsweise Frida Nilsson mit ihrer frechen Göre Hedvig schon so manches tolle Kinderbuch veröffentlicht. Nun ist ein weiterer Titel erschienen: "Der Sommer mit Specki".

Endlich sind Sommerferien, das Wetter ist traumhaft und der Bach lädt zum Baden ein. Fast könnte alles perfekt sein, aber nur fast. Denn tatsächlich ist gar nichts so, wie es sein sollte. Hedvigs beste Freundin ist verreist und ihre Oma ist krank. Sie hat ein Gerinnsel im Kopf, war einige Zeit im Krankenhaus und ist nun wieder Zuhause. Doch die Frau, die Hedvig nun begrüßt, ist nicht ihre Oma. Die sonst so ordentlich zum Dutt gebundenen Haare hängen herab, der aufrecht gehaltene Rücken ist heute so straff wie eine matschige Gurke. Hedvig erkennt ihre Oma kaum wiederund diese kann sich gar nicht mehr an Hedvig erinnern. Halt gibt ihr ein dicker Junge, Specki, der mit seinem Papa in das verfallene Sommerhäuschen im Wald gezogen ist. Sein Auftauchen lenkt Hedvig von ihren traurigen Gedanken ab. Denn während Speckis Vater versucht, das Häuschen wieder auf Vordermann zu bringen, verfolgen Hedvig und Specki einen Nachbarn, der offenbar Tiere quält.

"Hedvig! Der Sommer mit Specki" ist ein zugleich fröhlich-freches und traurig-schwermütiges Kinderbuch. Mit einer wunderbaren Leichtigkeit verwebt die Autorin zwei ganz unterschiedliche Themen miteinander, was das Buch zu etwas ganz Besonderem macht. Auf der einen Seite ist der Sommer mit seinen Ferien, auf die sich Hedvig gefreut hat. Abenteuer erleben, die Sonne genießen und baden gehen. Sie lernt einen neuen Nachbarsjungen kennen, schließt mit ihm Freundschaft und heckt so manchen Plan aus. Diesen unbeschwerte Ereignissen und Sommerfreuden steht aber auch ein sehr trauriges Ereignis gegenüber. Die Erkrankung von Hedvigs Oma, die zwischenzeitliche Genesung, der Rückfall und letztendlich der Tod. Zugegeben, das ist ganz gewiss kein leichter Stoff, doch der Autorin gelingt es wunderbar, ihn kindgerecht zu erzählen. Man spürt die Fröhlichkeit und den Schwermut des Lebens gleichermaßen. Beides gehört zusammen und ist auch etwas, das von Kindern ähnlich erlebt wird.
Frida Nilsson verwendet eine wunderbar direkte Sprache. Damit erreicht sie ihr kindliches Lesepublikum ab acht Jahren, spricht es an und zieht es von der ersten Seite an in ihren Bann. Mit Spannung und Begeisterung lesen vor allem Mädchen das neue Abenteuer von Hedvig, verlieren sich in den Ereignissen und fühlen mit der Protagonistin mit. Ihre Lust nach Abenteuern steckt an, ihre bedingungslose Freundschaft mit Specki, der eher wie der typischen Außenseiter wirkt, wird von Kindern ebenso akzeptiert. Doch auch der Schmerz und die Trauer über den Verlust der Großmutter ist deutlich zu spüren. Er überschattet das Buch aber nicht. Man hat trotz dieser Szenen noch die eine oder andere Stelle zum Schmunzeln und erlebt Spannendes mit.

"Hedvig! Der Sommer mit Specki" ist ein großartiges Buch für junge Leserinnen ab acht Jahren. Wer bisher noch kein Abenteuer von Hedvig gelesen hat, kann trotzdem auch bei diesem vierten Band quer einsteigen. Die Handlung ist einfach geschrieben und erfordert keine besonderen Vorkenntnisse der Personen. Hedvig begeistert und begrüßt auch Neuleser mit einem frech-fröhlichen, an einigen Stellen schwermütigem Abenteuer.

Details

Bewertung

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