Der Schriftsteller und die Katze

von Nabiha Mheidly, Walid Taher (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 19. Oktober 2020

Der Schriftsteller und die Katze

Ein Schriftsteller hat immer eine schwierige Beziehung zu seinen Schöpfungen. Zuerst muss er sich entscheiden, was er wie erschafft, danach muss er seine Kreationen durch ihre Geschichte geleiten und am Ende werden Charaktere flügge und machen sich selbstständig. Nahiba Mheidly ist eine libanesische Autorin, die das Buch zusammen mit Walid Taher, einem der namhaftesten ägyptischen Illustratoren.

Es dauert eine ganze Weile, bevor Ideen im Kopf eines Autors die Form einer Geschichte annehmen können. So erzählt auch der fiktive Autor in dieser Geschichte von seinem Ideenfindungsprozess, bis diese sich in Gestalt einer gescheckten Katze mit Stummelschwanz manifestiert. Als er sie inmitten einer schwierigen Lage platziert, führt dies zu Gefahren und Verzweiflung. Und doch hilft der Autor nicht und lässt die mutige Katze ihren Weg finden, um das Abenteuer ihrer Geschichte zu bestehen. Der Autor ist überrascht was passiert, als sein Buch abgeschlossen ist und er keine weiteren Pläne mehr mit der kleinen, mutigen Katze hat …

Der Schriftsteller und die Katze

Wie schon erwähnt, handelt dieser Band nur im übertragenen Sinn wirklich von einer Katze. Die Geschichte erzählt davon, wie man Ideen sammelt, analysiert, filtert und sie dann im Rahmen eines Plots lebendig werden lässt. Das Buch spricht aber auch andere Themen an, die man normalerweise nicht behandelt. Nämlich, wie Autorinnen oder Autoren an der Perfektionierung ihrer Ideen feilen und erleichtert sind, wenn sich alle Verwirrungen innerhalb einer Geschichte auflösen. Nabiha Mheidly berichtet aber auch davon, wie schwierig es ist, eine lieb gewonnene Idee, Geschichte oder Protagonistin loszulassen. Wie schwer es ist, das gleiche Gefühl, die gleiche Qualität und die gleiche Erzählintensität zu wiederholen, so dass man in anderen Werken nach den gleichen Elementen, nach dem gleichen Funken Genialität sucht, der einen bei der Schöpfung dieses Werks beseelt hat. Ob das jedoch etwas ist, das ein Kind ab 7 Jahren wirklich begreift, ist fraglich. Selbst Erwachsene könnten sich damit schwertun, wenn sie selbst keine Autoren sind. Insofern ist der Anspruch, der hinter der Geschichte steckt, nicht unbeträchtlich – vieles versteckt sich zwischen den Zeilen. Das macht das Werk keineswegs weniger reizvoll, stellt aber die Altersempfehlung ein wenig in Frage.

Der Schriftsteller und die Katze

„Der Schriftsteller und die Katze“ ist ein Bilderbuch von Nabiha Mheidly, illustriert von Walid Taher, das nur vordergründig von einer kleinen Katze und ihren Abenteuern berichtet. Tatsächlich geht es um den kreativen Prozess vor, während und nach der Erschaffung eines Werks und die Gedanken und Gefühle, die einen Autor bewegen. Das macht das Buch zu einer speziellen Empfehlung für Autorinnen und Autoren. Will man die Inhalte jedoch Kindern vermitteln, benötigt es einige zusätzliche Erklärungen, so ist vieles im Buch nicht so einfach zu verstehen.

Details

Bewertung

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