Der schlaue Pelikan und der Zauberfisch

von Andrea Böhm, Lee D. Böhm (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 28. Mai 2016

Der schlaue Pelikan und der Zauberfisch

Irgendwann ist jeder einmal auf Hilfe angewiesen. Vielleicht weil man allein nicht die nötige Kraft hat, um eine bestimmte Aufgabe zu bewältigen oder weil man krank darnieder liegt. Doch nicht immer ist jemand sofort bereit zu helfen. Manchmal braucht es etwas Überzeugungskraft und Überredenskunst. Davon erzählen auch die Leipziger Schwestern Andrea Böhm und Lee D. Böhm in ihrem Bilderbuch "Der schlaue Pelikan und der Zauberfisch".

Der Pelikan wird von Schnupfen und Fieber geplagt. Geschwächt sitzt er im Gras und kann auch keine Fische mehr fangen. Da bittet er den Bären, ihm etwas von seinem Fang abzugeben. Doch der Bär ist nicht nur griesgrämig, er teilt auch nicht gerne. Was soll der Pelikan nur tun? Wenn er nicht bald etwas zu essen bekommt, wird er noch schwächer und gar nicht mehr gesund. Da kommt ihm eine Idee. Er erzählt dem Bären vom Zauberfisch, der im Teich lebt. Dieser Zauberfisch verleiht seinem Finder unendliche Macht. Gerne hilft der Pelikan dem Bären, diesen Fisch zu fangen. Doch dafür muss der ihm von seinem Fang etwas abgeben…

"Der schlaue Pelikan und der Zauberfisch" ist eine Geschichte über Hilfsbereitschaft, Entgegenkommen und Nächstenliebe. Sie erzählt aber auch, wie man mit kleinen Tricks sein Ziel erreichen kann.
Im Mittelpunkt stehen zwei Figuren. Der große, kräftige und böse Bär, der am Teich sitzt und angelt. Er hat schon viele Fische gefangen, von denen er zwei Tage lang essen kann. Doch teilen käme ihm niemals in den Sinn.
Dann gibt es den Pelikan. Auch er sitzt am Teich, kann aber keine Fische fangen. Denn der Vogel ist krank und schwach. Da er aber Hunger hat, bittet er den Bären um Hilfe. Dieser, arrogant und egoistisch, verweigert diese Hilfe. Dem Pelikan ist klar, dass er ohne Hilfe verhungern wird. Da hat er eine Idee, wie er den Bären bei seiner Eitelkeit und seinem Geiz packen kann und doch an eine Portion Fisch gelangt. Siehe da, der Trick funktioniert und der Pelikan ist innerhalb kürzester Zeit gesund. Natürlich ist der Bär wenig erfreut, als er hinter die List kommt, doch da ist der Pelikan schon längst über alle Berge.
Freilich, lügen soll man bekanntlich nicht. Doch Gier und Geiz sind noch schlechtere Charaktereigenschaften, besonders dann, wenn jemand in Not ist. Das ist auch die Kernaussage des Buchs. Die Autorinnen wollen mit ihrer Geschichte zeigen, dass gegenseitiges Helfen wichtig ist, denn irgendwann braucht man vielleicht selbst einmal Hilfe.
Erzählt wird das Buch in Reimform. Eine tolle Idee, da Kinder sich gerne von der Wortmelodik tragen lassen und diese Geschichten von ihnen intensiver aufgenommen werden. Jedoch ist das im vorliegenden Fall nicht immer geglückt. Vereinzelt stolpert man etwas durch die Verse und es fehlt ihnen an Melodik. Trotzdem verleiht die Reimform der Erzählung einen anderen Klang und macht sie poetischer.
Schön gelungen sind die Illustrationen. Sie heben sich ab vom Mainstream, sind bunt und lebendig. Der Bär ist sehr gut getroffen. Ihm sind seine Gier, seine Gemeinheit und vor allem seine Machtsucht deutlich in Gesicht und Körperhaltung abzulesen. Der Pelikan hingegen berührt den Betrachter, wenn er mit seinen kranken, traurigen Augen den Bären hilfesuchend anschaut. Obendrein sind popkulturelle Anspielungen auf David Bowie und YouTube-Star Gronkh in den Illustrationen zu finden.

"Der schlaue Pelikan und der Zauberfisch" ist ein besonderes Bilderbuch des Geschwister-Duos Andrea und Lee D. Böhm. In Leipzig geschrieben, gestaltet, gedruckt und veröffentlicht, erzählt es eine besondere Geschichte über Hilfsbereitschaft und wie man mit kleinen Tricks sich selbst aus einer Notsituation befreien kann.

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