Poesie für Kinder

Der Panther

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von Rainer Maria Rilke, Julia Nüsch (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 28. Juni 2018

Der Panther

Ein Besuch im Zoo ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Familien. Exotische Tiere zu betrachten und dabei den Kopf vom Stress des Alltags freizubekommen, dieser Beschäftigung ist schon Lyriker Rainer Maria Rilke nachgekommen. Bei seinen Ausflügen in den Jardin des Planes wurde er zu einem Gedicht inspiriert, das beinahe jeder kennt: Der Panther. Der Kindermann Verlag hat dieses aufgegriffen und von Julia Nüsch eindrucksvoll illustrieren lassen.

Menageries du Jardin des Plantes, Paris

Das Gedicht erzählt von der in Gefangenschaft lebenden Raubkatze und vor allem davon, wie dieser Zustand auf ihre Existenz wirkt. Es wird der müde Blick beschrieben, dem alles entgleitet, was außerhalb der Gitterstäbe passiert. Der geschmeidigen Gang auf kleinstem Raum, Kraft und Eleganz, verloren hinter den Gefängnisstäben. Rilke beschreibt ein Tier, das eigentlich groß und kraftvoll ist, das aber durch die Gefangenschaft im Käfig nun gebrochen wirkt. Er beschreibt ein Tier, das nach außen hin gefährlich und wild scheint, im Inneren aber schon lange gestorben ist.

Kraftvolle Illustrationen

Wir wollen aber gar nicht zu sehr auf das Gedicht selbst, seine Bedeutung und seine Botschaft eingehen. Hierzu gibt es zahlreiche Texte.
Nein, wir wollen in dieser Rezension unseren Blick von der Bedeutung der Worte auf die Kraft der Illustrationen lenken, die das Buch begleiten. Julia Nüsch schuf sie für das Bilderbuch aus dem Kindermann Verlag, einen Verlag, der Kindern den Zugang zu den großen Werken der Literatur erleichtern möchte. "Der Panther" ist ein wahrer Schatz innerhalb dieser Reihe. Seine Bilder sind so unglaublich ausdrucksstark und kraftvoll, wie das Gedicht von Wilke selbst. Plakativ blickt uns das Tier von den Doppelseiten entgegen. Nein, es sieht uns nicht an, es schaut durch uns hindurch, an uns vorbei. Sein Blick ist - wie es Rilke in seinen ersten zwei Zeilen beschreibt - müde und haltlos geworden. Er geht ins Leere, er ist leer. Trostlosigkeit und Gleichgültigkeit sind aus ihm herauszulesen. Einsam und alleine fristet der Panther sein Dasein. Vegetiert dahin, ohne Lebensfreude ohne Lebenslust. Und doch, manchmal steht er auf, richtet sich auf und lässt noch einmal ein kraftvolles Brüllen erklingen. Ein Schatten seiner einstigen Majestät.
Wer von den Zeilen des Gedichts allein nicht berührt ist, der wird es nach dem Betrachten der Bilder. Das Tier ist unglaublich realistisch gezeichnet. Majestät, Kraft und Geschmeidigkeit treten auf den Bildern ebenso deutlich hervor, wie der leere Blick. Die Detailgenauigkeit ist nicht zuletzt im Fell des Tieres zu sehen, das, wie bei echten Panthern, im richtigen Licht sein Leopardenmuster durchschimmern lässt. Hieran zeigt sich, dass Julia Nüsch sich sehr intensiv mit diesen Tieren und auch dem Gedicht beschäftigt hat. Wie sonst hätten ihr so eindrucksvolle Zeichnungen gelingen können?

Rainer Maria Rilkes "Der Panther" erzählt in seinem bekannten Gedicht von einem Panther in Gefangenschaft und wie diese ihn verändert. Um dieses Werk Kindern zugänglich zu machen, schuf Julia Nüsch unglaublich poetische und kraftvolle Bilder, mit denen man die Verse gleich noch berührender empfindet, als zuvor. Ein großartiges Bilderbuch!

Details

Bewertung

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