Der Junge aus der letzten Reihe

Antolin Quiz
von Onjali Q. Raúf, Pippa Curnick (Illustration)
Rezension von Emilia Engel | 11. April 2020

Der Junge aus der letzten Reihe

Manchmal reicht eine kleine Veränderung, um das ganze Leben auf den Kopf zu stellen. Bei unseren vier Freunden hier ist es der leere Stuhl in der letzten Reihe ihres Klassenzimmers. Denn eines Tages kommt ein neuer Schüler in ihre Klasse, der von nun an auf diesem Platz sitzt. Eines ist sofort klar: sie wollen mit ihm befreundet sein, doch er versteht sie nicht und ist zu Beginn sehr schüchtern.

Unsere Romanheldin weiß vom ersten Moment an, dass sie mit Ahmet befreundet sein möchte. Ahmet, der Junge mit den Löwenaugen. Denn dass er Freunde braucht ist klar - und das nicht nur, weil Clarissa, die neben ihm sitzt, ihn ignoriert. Auch nicht weil er schnell in den Fokus der Schulmobber rückt, allen voran Brendan-der-Quälgeist. Nein, der Neue in der Schule zu sein, ist nie leicht. Wenn man dann aber auch noch ein Flüchtlingskind ist - was war das gleich noch mal? - dann kann es nicht schaden, vier treue Freunde an seiner Seite zu wissen.
Liebevoll bemühen sich die Kinder um Ahmets Freundschaft. Auch ihre Lehrerin Mrs Khan ist ganz gerührt und stolz, dass sich ihre Schüler so um diesen Flüchtling sorgen. Schließlich taut Ahmet etwas auf und schnell lernt auch die ersten Wörter. Als Ahmets neue Freunde erfahren, dass er auf der Flucht seine Eltern verloren hat, sind sie erschüttert. Aber so richtig Panik bekommen sie, als unsere junge Heldin im Bus das Gespräch zweier Erwachsen belauscht. Die Grenzen werden in wenigen Tagen geschlossen und keine Flüchtlinge mehr reingelassen. Doch wie können dann jemals Ahmets Eltern einreisen? Sie würden ihn nie wiedersehen!
Verzweifelte Situationen brauchen verzweifelte Maßnahmen. Also beschließen die Kinder nach großem Pläneschmieden, dass sie der Queen höchstpersönlich einen Brief schreiben müssen und sie um Hilfe bitten müssen. Denn wenn jemand Ahmet helfen kann, dann doch wohl sie.

“Der Junge aus der letzten Reihe” ist ein herzerwärmendes Buch über Freundschaft, Vorurteile und Flucht. Ganz unvoreingenommen sind die vier Schüler Ahmet gegenüber. Was ein Flüchtling ist wissen sie zuerst nicht so genau und so fragen sie ihre Eltern. Jedes Elternpaar hat dazu natürlich eine andere Meinung. Die meisten sagen, dass Ahmet Freundschaft und Hilfe braucht, doch gibt es auch jene, die meinen, man solle sich lieber von Flüchtlingen fern halten.
Die Geschichte ist aus Sicht der Protagonistin erzählt und so erfährt man das ganze Buch hindurch nicht ihren Namen. 
Auch die drei besten Freunde - Tom, Josie und Michael - haben wesentliche Rollen im Buch. Genau wie ihre Freundin wollen sie mit dem neuen Schüler befreundet sein.
Sie alle werden immer wieder von Brendan-dem-Quälgeist gemobbt und natürlich hat dieser Ahmet sofort auf dem Kieker.
Es ist berührend, wie sich die Kinder für den Flüchtling einsetzten. Wo sie sich selbst die Schikanen der Mobber gefallen haben lassen, lassen sie das nicht bei Ahmet gelten und erlangen dadurch Mut, um für ihn und letztlich für sich selbst einzustehen. Überhaupt lernen sie durch Ahmet, dass man nicht stillschweigend daneben sitzen soll, sondern aktiv für Hilfe kämpfen muss - auch wenn man dabei selbst Angst hat.
Das Buch ist hinreißend und charmant erzählt, mit der unschuldigen Naivität eines Kindes. Es gibt viele Stellen an denen man einfach nur schmunzeln muss, aber auch solche, an denen man traurig wird und auch die eine oder andere Träne wegwischen muss.
Trotz allem ist es eine leichte Lektüre zu einem schwierigen, aber wichtigen Thema.Onjali Q. Raúfs Buch eignet sich wunderbar als Klassenlektüre. Die Autorin bietet am Ende auch Fragen und einen kurzen Text zum Nachdenken an.

“Der Junge aus der letzten Reihe” ist ein Kinderbuch, das man schon ab acht Jahren lesen kann. Aber auch den Eltern sei empfohlen, es zu lesen. Es ist herzerfrischend und berührend und bietet reichlich Stoff, um anschließend mit Kindern über dieses ernste Thema zu sprechen. Denn trotz der Krise, in der wir zur Zeit stecken, dürfen wir nicht vergessen, dass es auch weiterhin Flüchtlinge gibt, die unsere Unterstützung und Freundlichkeit brauchen.

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