Tulipan ABC

Der Doktor mit dem weißen Fell

von Jutta Nymphius, Susanne Göhlich (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 22. August 2017

Der Doktor mit dem weißen Fell

Es gibt Ereignisse, die möchte man mit seinem Kind gar nicht erleben. Doch dann kommen sie plötzlich viel schneller, als einem lieb ist. Ein Krankenhausbesuch zählt auf jeden Fall dazu. Ein Sturz von Klettergerüst oder der Schaukel, ein unsanftes Landen und schon ist es passiert. Der Arm oder das Bein sind gebrochen und ein Krankenhausaufenthalt ist unausweichlich. Genau das ist auch die Ausgangssituation im Kinderbuch "Der Doktor mit dem weißen Fell" von Jutta Nymphius.

Von Heulsusen und besonderen Heilern

Maja hat sich beim Schaukeln den Arm gebrochen. Nun soll sie einige Tage im Krankenhaus bleiben, damit der Arm richtig eingegipst werden kann. Ein bisschen mulmig ist ihr schon zumute, als sie vom Fenster aus beobachtet, wie ihre Eltern mit Auto davonfahren. Doch sie will auf keinen Fall heulen, wie ihre Bettnachbarin. Denn die sitzt nur in ihrem Bett und weint in einer Tour. Wie passend, dass sie Suse heißt - oder sollte Maja eher Heulsuse sagen? Am Abend schlüpft plötzlich ein weißer Kater ins Zimmer von Maja und Suse. Er sucht Schutz vor dem Regen und kuschelt sich auch gleich zu den beiden Mädchen. Wie können sie ihn nur vor der strengen Krankenschwester geheim halten? Da bekommen sie unerwartete Hilfe.

Eine Geschichte, die Mut macht

Ein Krankenhausaufenthalt ist selten etwas Angenehmes - schon gar nicht für Kinder. Denn ab einem bestimmten Alter dürfen ihre Eltern nicht mehr bei ihnen bleiben und sie müssen alleine in dem fremden, mitunter angsteinflößenden Umfeld bleiben. Hier will das Buch Mut machen und Trost spenden. Doch wer nun glaubt, dass diese Geschichte von Abläufen im Krankenhaus erzählt, von Heilung und Genesung, der irrt. Vielmehr erzählt es von zwei Mädchen, die aufgrund ihrer Unsicherheit und Angst zueinander finden und in einem kleinen, ungeahnten Abenteuer Trost und Mut finden.
Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Maja und Suse, die beide ohne ihre Eltern im Krankenhaus sind. Natürlich sind sie traurig, haben Angst und fühlen sich alleine, doch gehen sie auf ganz unterschiedliche Art damit um. Während Maja versucht tapfer zu sein, lässt Suse ihren Tränen freien Lauf. Beides ist in Ordnung, für beides muss man sich nicht schämen oder andere abschätzig betrachten. Denn wie sich im Verlauf der Handlung zeigt, ist Suse ein sehr kluges, nettes und taffes Mädchen. Ihr und Maja gelingt es, einen verschmusten Kater, der sich nachts in ihr Zimmer geschlichen hat, nicht nur geheim zu halten, sondern ihm sogar noch etwas Futter zu verschaffen. Natürlich wird zwischendurch immer wieder betont, dass man im Krankenhaus keine Tiere halten darf, dennoch hilft der weiße Kuschelkater den Mädchen. Er lenkt sie ab und lässt sie ihr Heimweh und ihren Kummer vergessen.
Die Geschichte ist wunderbar leicht und fröhlich erzählt. Sie spendet Trost, macht Mut und lässt den Krankenhausaufenthalt gleich weniger schrecklich erscheinen. Vor allem aber nimmt sie Kinder in ihren Ängsten ernst und zeigt ihnen, dass es anderen ebenfalls so geht. Gleichzeitig erzählt das Buch davon, dass man im Krankenhaus neue und tolle Freundschaften schließen kann. Diese lassen einen Aufenthalt weniger lang und traurig erscheinen.

"Der Doktor mit dem weißen Fell" ist ein tolles Kinderbuch für junge Leserinnen ab sieben Jahren. Einfühlsam, unterhaltsam und fröhlich erzählt es von zwei Mädchen, die für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen und dort etwas ganz besonderes finden: eine neue Freundin. Sie helfen einander ihre Angst und Traurigkeit zu vergessen. Diese Geschichte spendet Mut und Trost, unterhält aber ebenso alle, die gesund zuhause sitzen und einfach nur ein tolles Buch lesen wollen.

Details

Bewertung

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