Das NEINhorn

Antolin Quiz
von Marc-Uwe Kling, Astrid Henn (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 11. Oktober 2019

Das NEINhorn

Rosa, glitzernd, mit regenbogenfarbener Mähne - so werden uns Einhörner präsentiert. Diese Fabelwesen liegen voll im Trend und sind die Lieblinge vieler Mädchen. Es gibt aber auch viele, die Nein sagen. Die Einhörner nicht mögen oder sie sich ganz anders vorstellen. Und es gibt jene, die genug von rosa-glitzerndem Kitsch haben. Für all jene hat Marc-Uwe Kling die ultimative, aberwitzige, total schräge und obercoole Einhorngeschichte des Jahres geschrieben. Ihr Titel: „Das NEINhorn“.

Ein Nein schallt durch den Herzwald

Mitten im rosaroten und von Zuckerwatte umgebenen Herzwald lebt eine Einhornfamilie. Eines schönen Tages bekommt diese ein Einhornkind. Niedlich sieht es aus. Herzallerliebst, süß, flauschig - einfach entzückend. Doch leider ist sein Charakter gar nicht so entzückend. Denn auf alles, was man ihm anbietet, sagt es schlicht und ergreifend „Nein“. Nein, es will nicht in die Schule gehen. Nein, es will keinen Glücksklee fressen. Nein es will nicht über den Regenbogen rutschen. Weil es immer nur Nein sagt, nennt es seine Familie bald nur noch das NEINhorn.
Eines Tages beschließt das NEINhorn aus seiner Zuckerwattewelt auszubrechen und in Richtung Nirgendwo zu wandern. Dabei trifft es einen Waschbären, der nicht zuhört, einen Hund, dem alles egal ist und eine Prinzessin, die immerzu Widerworte gibt. Zusammen bilden sie das wohl bockigste Gespann, das man jemals gesehen hat.

Das NEINhorn

Und die Moral von der Geschicht‘?

Denkt sie euch selber aus.
Mit diesen (etwas ausführlicheren) Worten beendet Marc-Uwe Kling seine Geschichte über das NEINhorn. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, die alle gängigen Klischees durch den Kakao zieht. Der Autor rechnet im Buch mit dem Einhorn-Hype und dem kitschig-rosa Design ab - und zwar auf eine äußerst humorvolle Weise. Er erzählt eine gewöhnliche Geschichte, die hier und da bewusst überzeichnet ist. Mit Verniedlichungen, Humor und augenzwinkernder Wortwahl schmückt er diese  aus. Aber er erzählt all das nicht einfach nur, nein er reimt. Er bringt „schnickeldischnucklige“ Verse, die vollgestopft sind mit Rosa, Plüsch und Glitzer. Doch dann kommt der Bruch. Das NEINhorn sagt seiner Familie, dass es die Nase voll hat. Es will nicht mehr gutgelaunt auf rosa Wolken schweben. Es will nicht mehr in Reimen sprechen. An dieser Stelle ändert sich mit einem Mal der Erzählstil. Aus den melodischen Versen wird mit einem Mal eine gewöhnliche Erzählung. Von nun an wird viel widersprochen, viel gemault und noch mehr getrotzt. Herrlich bockig ist das Vierergespannt unterwegs. Doch auch hier dürfen Marc-Uwe Klings unterschwellige Anspielungen auf Klischees nicht fehlen. In der gesamten Geschichte begegnen wir solchen immer wieder. Dabei werden sie vom Lesepublikum sehr unterschiedlich aufgenommen. Für Kinder sind sie einfach nur witzig, für uns Erwachsene sind sie das Vorhalten eines Spiegels und auch die Abrechnungen mit Glitzer, Rosa und viel Plüsch.

Das NEINhorn

Und dann ist da noch die Sache mit der Moral, mit der pädagogisch wertvollen Botschaft, die wir Erwachsenen ja immer in Kindergeschichten suchen. Gibt es sie auch hier? Oder nicht? Nun, man möge sich selbst eine Moral ausdenken, sagt der Autor in seinem ebenfalls augenzwinkernd formuliertem Nachwort. Man kann in das Buch natürlich viel hineininterpretieren: einen humorvollen Umgang mit dem Neinsagen, ein Spiegel für überbesorgte Eltern, eine Freundschaftsgeschichte, eine Abrechnung mit der zuckersüß-rosa-glitzernden Einhornwelt. Raum für eigene Interpretationen gibt es auf jeden Fall genug.

Das NEINhorn

Doch im Vordergrund stehen immer Humor und Spaß. Kinder tauchen nicht nur innerhalb kürzester Zeit in die Erzählung ein, sie lieben sie auch. Daran haben Astrid Henns kongeniale Illustrationen keinen unwesentlichen Anteil. Denn das, was Marc-Uwe Kling mit Worten formulierte, zeichnete Astrid Henn mit Farben nach. Ihre Figuren sind herrlich witzig, die Kulissen kitschig bunt, schlammig-schmutzig, originell, einfallsreich, comicgleich. Man entdeckt viele kleine Elemente, die einen zum Schmunzeln bringen. Die dem Buch zusätzlichen Witz und Charakter verleihen. Astrid Henn zeichnete grandiose Bilder, die das Buch perfekt abrunden.

Das NEINhorn

Genug geschrieben? Überzeugt? Nein. - Doch. - Was?
Für alle, die rosa Einhörner und idyllisch Zauberwald-Geschichten nicht mehr sehen können, ist dieses Buch einfach perfekt. Es ist eine Geschichte über ein Einhorn, das aus der Reihe tanzt. Das seine plüschige Welt hinter sich lässt und Freude daran hat, bockig zu sein. Das NEINhorn tut ganz sicher nicht das, was man von ihm erwartet und was wohlerzogene Einhörner so tun. Unterstützung findet es bei drei Freunden, die mindestens genauso bockig, liebenswert und herrlich rebellisch sind. Ein grandioser Bilderbuchspaß, den man einfach lesen muss und der garantiert jedem Kind gefällt. Egal ob Junge oder Mädchen, Lesemuffel oder Bücherwurm.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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