Carlotta, Henri und das Leben


Mama ist offline und nix geht mehr: Like it!
von Anette Beckmann, Marion Goedelt (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 19. Februar 2018

Carlotta, Henri und das Leben

Digitalisierung und Neue Medien sind auch für Kinder Teil des Alltags geworden. Immer wieder wird diskutiert, wie viel digitaler Konsum für sie gut ist. Doch viel wichtiger ist, Kindern einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien beizubringen. Anette Beckmann greift das Thema herrlich komisch und leider auch sehr realistisch in ihrem Buch "Carlotta, Henri und das Leben: Mama ist offline und nix geht mehr" auf.

Alptraumszenario: Eine Woche offline

Carlotta und Henris Mama ist ziemlich cool. Das finden zumindest die Zwillinge. Denn Mama hat immer das neueste Smartphone, kennt sich super mit Computern und Apps aus, spielt die angesagtesten Spiele, ist natürlich auch auf WhatsApp, Facebook & Co. vertreten und hat auch schon die Wohnung digitalisiert. Papa findet das allerdings gar nicht cool. Im Gegenteil. Ihn zieht es hinaus ins echte Leben, zu den Brettspielen und Büchern. Ein Handy ist für ihn nur ein Gerät zum Telefonieren. Die Diskussionen darüber enden jäh, als Mamas Smartphone ins Klo fällt und nun für eine Woche zur Reparatur muss. Nichts geht mehr! Keine Wetter-App, keine Mücken-App, keine Straßenkarten-App und keine neuesten Spiele. Wie sollen Carlotta, Henri und Mama diese Woche nur überstehen?

Top-Thema humorvoll aber auch authentisch dargestellt

Die Themen Digitalisierung und Neue Medien für Kinder spalten die Meinungen, wie kaum andere. Die einen sagen, Kinder sollen so früh wie möglich damit vertraut gemacht werden, die anderen wehren sich komplett dagegen und wieder andere sind für einen verantwortungsvollen Umgang. Fakt ist, man kann sich nicht dagegen sperren, denn spätestens mit Beginn der Schulzeit kommen alle mit Smartphones und dem Internet in Kontakt. Aber ebenso Fakt ist, dass wir Eltern mit unserem eigenen Medienkonsum eine ganz wichtige Vorbildfunktion einnehmen. Denn je mehr wir auf Smartphone und Tablet schauen, je weniger wir hinausgehen und die reale Welt entdecken, desto mehr werden sich auch unsere Kinder mit dieser digitalen Welt beschäftigen. Wir können ihnen den Umgang nicht verbieten und selbst ununterbrochen auf Neue Medien zurückgreifen.
Das zeigt Anette Beckmann auf sehr humorvolle Weise. Hier haben wir auf der einen Seite die Mutter, die eigentlich nicht mehr ohne ihr Smartphone und ihre Apps zurechtkommt. Selbst den Friseurtermin kann sie sich nicht merken. Den Gegenpol dazu bildet der Vater, der die Neuen Medien ablehnt - nicht immer, denn auch er findet die eine oder andere App durchaus hilfreich, aber größtenteils versucht er ohne smarter Technologie auszukommen. Dazwischen stehen die Kinder Carlotta und Henri, die ihren Weg finden müssen. Und das ist gar nicht so einfach, wenn um sie herum sämtliche Erwachsene nur noch auf ihre Displays schauen. Wenn im Restaurant keiner mehr mit dem anderen spricht, sondern nur noch mit dem Smartphone spielt. Oder im Schwimmbad. Die Autorin greift verschiedene Alltagssituationen auf und zeigt, wie die Digitalisierung unser Leben verändert hat. Wenn wir unser Smartphone nicht zur Hand haben, finden wir plötzlich nicht mehr den Weg zum Badesee in der Umgebung, wissen nicht, wann der nächste Friseurtermin ansteht oder wie das Wetter ist. Auch wenn es in der Geschichte sehr humorvoll erzählt wird, steckt auch etwas Ernüchterndes darin. Smarte Technologie erleichtert unser Leben in vielen Bereichen, es führt aber auch dazu, dass wir unseren Kopf immer weniger anstrengen. Wozu auch, das Wissen ist doch jederzeit ohne große Anstrengungen verfügbar.
Neben der Geschichte, die ein Spiegelbild unserer aktuellen Lebensweise ist, werden auch viele technische Begriffe rund um das Thema erläutert. In Randnotizen werden Begriffe wie online, offline, digital und analog beschrieben. Es wird kurz angerissen, was das Internet und wie alt es ist. Und es wird gezeigt, wie sich Telefone im Laufe der Zeit verändert haben.
Begleitet wird die Geschichte von witzigen Illustrationen von Marion Goedelt. Sie greift wichtige Aussagen der Geschichte auf und stellt sie - gerne auch mal überspitzt - in Bildform dar. Sie überzeichnet ganz bewusst, um das Thema deutlich auf den Punkt zu bringen.

Neue Medien und Digitalisierung gehören zu unserem Alltag dazu und haben einen festen Platz in unserem Leben. Es wäre falsch, sie Kindern komplett zu verbieten und sie davon fernzuhalten. Doch einen bewussten Umgang damit, sollte man ihnen auf jeden Fall beibringen. Dafür müssen wir Eltern eine Vorbildrolle übernehmen. Genau das zeigt Anette Beckmann in ihrer humorvollen Geschichte. Sie überspitzt, während Marion Goedelt überzeichnet, und zusammen lassen beide eine Sachgeschichte entstehen, die sehr aktuell und gefragt ist. Ein Buch, das nicht nur Familien ans Herz gelegt werden kann, sondern auch für Schulen wertvolle Lektüre ist.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
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  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl:
  • Illustration: