böse

Antolin Quiz
von Lorenz Pauli, Kathrin Schärer (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 08. November 2016

böse

Gut und Böse lassen sich weder klar voneinander trennen, noch klar definieren. Es sind zwei abstrakte Begriffe, die von uns Menschen und unseren moralischen Vorstellungen mit Inhalt gefüllt werden. Wie also erklärt man seinem Kind, was gut ist und was böse? Noch schwieriger ist die Frage, welches Tier böse ist und welches gut? Auch die beiden Kinderbuchautoren Lorenz Pauli und Kathrin Schärer nahmen sich diesem Thema an und verpackten es in dem Bilderbuch "böse".

Die Bauernhoftiere sitzen zusammen und unterhalten sich. Worüber? Darüber, wie lieb und artig sie alle sind, dass sie manchmal aber auch anders können. So zählt ein jeder auf, wann er sich schon mal daneben benommen hat. Nur das Pferd ist in ihren Augen zu brav und kann nicht mal einer Fliege ein Haar krümmen. Doch da irren sie gewaltig. Eine Maus raschelt im Stroh, auf der Suche nach ein paar Körnern. Schon längst ist die Katze auf sie aufmerksam geworden, doch dann macht ihr das vermeintlich brave Pferd einen Strich durch die Rechnung. Mit einem lauten Klack tritt es auf die Maus.
Alle Tiere sind fassungslos. Das Pferd hat die Maus zertreten. Ohne Grund. Und es obendrein auch noch der Katze weggenommen. Als das Pferd dann auch noch lauthals verkündet, dass von nun an alle Mäuse ihm gehören, zieht die Katze mit eingekniffenem Schwanz ab und die übrigen Tiere schauen das Pferd entsetzt an.
Dann hebt es den Huf.
Die Maus lebt und bedankt sich fiepend für die Rettung.

Wer ist also böse? Wer nicht?
Ist es die Maus, die dem Pferd die Körner stiehlt, weil sie hungrig ist?
Ist es die Katze, weil sie ihrer Veranlagung gemäß die Maus jagen will?
Oder ist es das Pferd, weil es der Katze die Beute nimmt und damit das Leben der Maus rettet?
Eine philosophische Frage, die man ganz nicht so leicht beantworten kann. Denn wer nun der Böse ist und wer der Gute, kommt ganz auf den Standpunkt an. Genau das ist die Kernaussage des Bilderbuchs; genau das wollen die beiden Autoren ihren jungen Lesern vermitteln.
Mit dieser Geschichte wird deutlich, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Dass dazwischen unglaublich viele Grautöne liegen, die aus Schwarz ein Grau werden lassen, ebenso wie Weiß etwas dunkler erscheint. Es ist eine wichtige Botschaft an Kinder. Wie oft ärgern sie sich darüber, ungerecht behandelt zu werden. Schelte für etwas zu bekommen, das aufgrund des Fehlverhaltens eines Drittens ausgelöst wurde? Mit dieser Fabel können sie lernen, dass Gut und Böse oftmals im Auge des Betrachters liegen und es auf den Standpunkt ankommt.
Wenngleich das Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird, sollte man sie beim Betrachten des Buchs begleiten. Man sollte ihnen die Szenen erklären, mit ihnen darüber sprechen und ihnen helfen, sie zu verstehen. Denn vieles wird nur angedeutet, ist zwischen den Zeilen zu lesen und wird gerade von jüngeren Kindern nicht sofort verstanden. Auch kann die Szene, in der das Pferd seinen Huf auf die Maus stellt und so unglaublich bedrohlich wirkt, sehr verstörend wirken. Hier sollten Eltern oder Pädagogen helfen, indem sie das Bedrückende etwas abmildern.
Dann aber entfaltet sich eine tolle Geschichte, die versucht zu erklären, was gut und böse ist. Begleitet wird dies durch großartige und sehr realistische Illustrationen. Plakativ werden die Tiere in ihrem Verhalten gezeigt. Der bedrohliche Hund, wenn er seine Zähne fletscht oder die freche Ziege, wenn sie das Blumenbeet verwüstet. Doch unglaublich überzeugend und ausdrucksstark sind die Tiergesichter gelungen, nachdem das Pferd seinen Huf auf die Maus gesetzt hat. Das Entsetzen spiegelt sich in ihnen wider, ebenso kurz darauf die Erleichterung. Hier hat die Illustratorin wunderbare Bilder gezeichnet, die die Stimmung der Geschichte grandios eingefangen haben und an den Betrachter transportieren.

"böse" ist ein Bilderbuch für Kinder, das ihnen zeigt, wie nah Böse und Gut beieinander liegen und wie schwer es ist, sich klar zu positionieren. Das Buch ist künstlerisch und sprachlich großartig gelungen, dennoch sollten gerade jüngere Kinder beim Lesen begleitet werden, um ihnen an der einen oder anderen Stelle die Angst zu nehmen und Fragen, die sie bewegen, zu beantworten. Davon abgesehen ist es großartig gelungen.

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