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Beste Brüder oder Der bruderfreie Nachmittag

von Michaela Holzinger, Andrea Dölling (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 09. Februar 2016

Beste Brüder oder Der bruderfreie Nachmittag

Heute die besten Freunde, morgen die schlimmsten Feinde. Gerade noch dicke Kumpels, jetzt vom anderen nichts mehr wissen wollen. Die Rede ist von zwei Brüdern. Welche Eltern in der gleichen Situation kennen das nicht? Von einem Augenblick zum nächsten kann die Stimmung im Kinderzimmer kippen und wo gerade noch friedlich gespielt wurde, ertönt lautes Wutgeschrei. Einen Bruder zu haben kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Darüber erzählt auch Michaela Holzinger in ihrem Bilderbuch "Beste Brüder oder Der bruderfreie Nachmittag".

Ben und Basti sind Brüder. Basti bewundert seinen großen Bruder Ben und eifert ihm nach, wo er nur kann. Das findet Ben natürlich weniger toll. Wenn er Hunger hat, will Basti auch etwas essen, wenn er spielen möchte, will Basti das auch und wenn Ben ein Buch liest, macht es ihm Basti nach. Ben reicht es. Er will einmal alleine sein und wünscht sich einen bruderfreien Nachmittag. Den bekommt er. Endlich kann er eine vier Meter lange Autoschlange bauen. Kann nach Herzenslust aufs Fußballtor schießen und in seinem Piraten-Baumhaus Abenteuer erleben. Doch macht das alles ohne Basti wirklich so viel mehr Spaß?

Einen Bruder zu haben, kann manchmal ganz schön anstrengend und nervig sein. Ständig ist da einer, der einem nachrennt, alles nachmacht und überall dabei sein muss. Wie schön wäre es wohl, mal einen Nachmittag ohne diese Nervensäge zu sein! Ben wird dieser Wunsch erfüllt. Er bekommt einen ganzen Nachmittag für sich. Am Ende dieses Tages erkennt Ben etwas Wichtiges. So schön es auch war, allein und ungestört mit seinen Autos gespielt zu haben, im Baumhaus auf Piratenfahrt gegangen zu sein und in der Hängematte Kirschen gegessen zu haben, ganz ohne seinen kleinen Bruder ging es dann doch nicht. So manches Mal war er doch auf dessen Hilfe angewiesen. So kommt Ben am Abend zu der Erkenntnis, dass ein bruderfreier Nachmittag toll ist, er aber am nächsten Tag doch lieber wieder mit seinem kleinen Bruder spielen möchte.
Die Geschichte greift hervorragend auf, wie das Zusammenleben mit einem Bruder aussieht. Gemeinsames Spielen und Zanken. Streiten um Raum, Freunde und Aufmerksamkeit. Die Großen haben es dabei oft nicht leicht, müssen sie doch Vorbild sein. Die Jüngeren bewundern sie und eifern ihnen nach. Das nervt gewaltig, kann aber auch toll sein. Zudem bringt es eine bedingungslose Freundschaft mit sich. Brüder helfen einander, sie unterstützen sich gegenseitig und halten zusammen wenn es brenzlig wird. Das wird durch Basti deutlich, der sofort kommt, wenn Ben ihn braucht. Und das ist nicht selten. Gleichzeitig akzeptiert Basti, dass sein großer Bruder Raum für sich möchte und lässt ihm diesen.
Die Botschaft hinter der Geschichte ist klar. Es gibt nichts Schöneres als einen Bruder, auf den man sich voll und ganz verlassen kann, selbst wenn er manchmal nervig ist.
Alles das erzählt Michaela Holzinger in ihrem neuen witzigen und charmanten Bilderbuch. Sie zeigt, dass man durchaus mal von seinem Bruder die Nase voll haben darf. Dass man sich einen bruderfreien Tag nehmen darf. Nicht immer ist alles rosig und das ist in Ordnung. Dadurch lernt man die Dinge zu schätzen. Dies wird in der Geschichte kindgerecht und sehr unterhaltsam an die jungen Leser transportiert.
Ergänzt wird die Handlung von Andrea Döllings frechen und fröhlichen Illustrationen. Sie fängt die Stimmung der Geschichte hervorragend ein und zeigt den kleinen Bücherfreunden, was Michaela Holzinger mit Worten erzählt. Beide - Autorin und Illustratorin, Geschichte und Bilder - ergänzen sich wunderbar in diesem Kinderbuch.

"Beste Brüder oder Der bruderfreie Nachmittag" ist die Geschichte zweier Brüder, wie sie sich in unzähligen Familien zuträgt. Michaela Holzinger erzählt von dem Frust, den man manchmal wegen seines kleinen Bruders hat. Sie verurteilt diese Gefühle nicht, sondern zeigt ganz einfach, dass es ohne einen Bruder furchtbar langweilig wäre und man nur halb so viel Spaß hätte. Ein tolles Bilderbuch für alle Familien, die manchmal nicht wissen, wie sie ihre kleinen Streithähne besänftigen können. Mit diesem Buch gelingt es garantiert.

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