Bären beobachten


Ein Ratgeber für Anfänger
von Michelle Robinson, David Roberts (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 20. September 2016

Bären beobachten

Sie haben ein kuschliges Zottelfell, dunkle Knopfaugen, eine weiche Schnauze und sind bei allen Kindern beliebt: Bären. Es gibt sie im Spielzeughandel, es gibt sie im Zoo und es gibt sie in freier Wildbahn. Will man sie dort beobachten und auf ihren Spuren wandeln, gilt es einiges zu beachten. Was genau, das verrät der Ratgeber "Bären beobachten" aus dem Gerstenberg Verlag.

Will man also echte Bären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, sollte man ein paar wichtige Regeln kennen und beherzigen. Ganz wichtig ist, zwischen einem Braunbären und einem Schwarzbären unterschieden zu können. Warum? Ganz einfach, sie unterscheiden sich nicht nur in ihrem Äußeren, sondern auch in ihrem Charakter ganz wesentlich. Trifft man beispielsweise einen Braunbären, stellt man sich am besten tot und legt sich flach auf den Boden. Allerdings solle man das bei einem Schwarzbären keineswegs tun. Er versteht das nämlich als eine Einladung zum Abendessen.
Tja, und was tut man, wenn man einen Schwarzbären UND einen Braunbären zusammen trifft? Die Antwort darauf findet man in diesem Ratgeber für Anfänger. - Und nur ein kleiner Tipp: Es ist immer ratsam, ein Pfefferspray, einen Kaugummi, ein Märchenbuch und einen kleinen Plüsch-Teddybären dabeizuhaben. Auch wenn nicht alles davon zum unbedingt zum Erfolg führt.

Humorvoll und witzig begegnet das Bilderbuch "Bären beobachten" seinen jungen Lesern. Klar ist es nicht ganz ernst zu nehmen, um genau zu sein überhaupt nicht. Doch gerade das macht den Charme und Reiz des Buches aus. Dabei sind es vor allem die Bilder, von denen die Geschichte lebt. Ausdrucksstark und abwechselnd mit Fineliner, Buntstift und Tinte gezeichnet, zeigen sie skurrile und witzige Szenen. Dabei wechseln die Illustrationen von der typischen Kinderbuchzeichnung zu Zeichnungen auf Millimeterpapier, wie man sie in einem Notizbuch erwartet. An manchen Stellen werden beide Stile vermischt, was dann wieder zu einem völlig anderen Eindruck führt. Auch die drei Charaktere - Schwarzbär, Braunbär und Kind - sind besondere Persönlichkeiten. Die zwei Bären sind unheimlich und bedrohlich, zwischendurch mal witzig und komisch und am Ende sogar herzig. Das Kind, von dem die Notizen stammen und das als Erzähler durch das Buch führt, ist geschlechtsneutrales. Unter der gestreiften Skimütze, der karierten Weste und den dicken Fäustlingen könnte sich sowohl ein Junge als auch ein Mädchen verbergen. Dadurch spricht das Buch beide Gruppen an. Jungs wie Mädchen können sich in dem Ratgeber wiederfinden - solange sie Lust auf Abenteuer und den Mut, große Tiere zu erkunden mitbringen.
Der mitunter karge Text beschreibt das Nötigste und gibt Kindern gleichzeitig Raum für eigene Interpretationen und Gedanken. So werden sich viele das Buch ansehen, doch jedes Kind eine andere Geschichte darin lesen. Die Typographie ist wunderbar und passt zu dem lockeren und lebendigen Bilderbuch. Mal in Großbuchstaben, mal in fetter Schrift, zwischendurch auch mal schief und schräg, werden die Sätze dort eingefügt, wo sie gerade Platz haben und hineinpassen. Klar trägt das ebenfalls zum Charme des Bilderbuchs bei.

"Bären beobachten" ist ein witziges und unterhaltsames Bilderbuch für Kinder zwischen vier und sechs Jahren. Es lebt vor allem von seinen tollen Bildern, seiner skurrilen Handlung die viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Es ist ein wunderbares Buch zum gemeinsamen Durchblättern, Anschauen, (Vor-)Lesen und Darüberlachen. Es ist ein Buch, das einfach nur unterhält, begeistert und gute Laune verbreitet. Alles das macht es für uns empfehlenswert.

Details

Bewertung

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