Am Tag, als Saída zu uns kam

Antolin Quiz
von Susana Gómez Redondo, Sonja Wimmer (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 26. Februar 2016

Am Tag, als Saída zu uns kam

Das Thema Flüchtlinge bestimmt seit Monaten die Medien und auch in den Kinderbuchbereich hat es Einzug gefunden. Autoren wollen mit ihren Büchern eine Brücke des Verständnisses schaffen. Sie zeigen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und wie sie in der Fremde lernen müssen, sich neu zu orientieren. "Am Tag, als Saída zu uns kam" ist ein Bilderbuch, das von einer Kinderfreundschaft zwischen den Kulturen handelt.

Es ist Winter, als Saída in dieses fremde Land mit der fremden Sprache kommt. Verloren steht sie da, sagt kein Wort, sondern hüllt sich in einen Mantel des Schweigens. Da ist ein anderes Mädchen, das gerne ihre Freundin sein möchte und sich auf die Suche nach Saídas Worten macht. Als das Mädchen merkt, dass Saída ihre Worte nicht verloren hat, sondern eine andere Sprache spricht, beginnen die beiden mit dem Tauschen. Sie tauschen Laute und Begriffe, Worte und Zeichen aus und lernen so voneinander. So vergeht der Winter, die Mandelbäume beginnen zu blühen und die beiden Mädchen haben Freundschaft geschlossen und eine gemeinsame Sprache gefunden.

Mit viel Poesie und unglaublicher Intensität erzählt Susana Gómez Redondo die Geschichte zweier Mädchen, die durch ihre unterschiedlichen Kulturen Gemeinsamkeiten finden und eine enge Freundschaft schließen. Die Autorin lässt Wörter und arabische Schriftzeichen leicht wie Federn tanzen. Sie werden vom Wind durch das Buch getragen und vom Leser neu entdeckt, genauso wie es die beiden Mädchen in der Geschichte tun. Das Flüchtlingskind Saída steht anfangs hilflos und verloren im Raum, genau wie auch der Beginn des Buchs auf den Leser wirkt. Unbedarft und fehl am Platze. Doch dann kommt da dieses andere Mädchen, dessen Name nicht fällt, aber das so eifrig nach den verlorenen Worten Saídas sucht. Bis sie erkennt, dass Worte nur nicht über die Barriere aus Sprache hinüberklettern können. Langsam und vorsichtig nähern sich die Mädchen einander, versuchen durch Symbole und Zeichnungen einander zu verstehen, Vertrauen zu vermitteln und letztendlich voneinander zu lernen.
Wie die beiden Mädchen spielt auch Autorin Susana Goméz Rdendo mit der Sprache und lässt sie davonwehen. Bei ihr ist es die Sprache der Geschichte, die mit einer unglaublichen Intensität, mit Sinnlichkeit und mit sehr viel Poesie zum Leser fliegt. Sie erreicht diesen nicht nur, sondern berührt und verzaubert, bis sie ihn ebenso sanft davonträgt, wie die arabischen Worte und Schriftzeichen in den Bildern.
Die Illustrationen des Buchs wurden von Sonja Wimmer gezeichnet. Auch sie besitzen einen poetischen Stil, in dem sich wunderbar widerspiegelt, was die Autorin mit Worten beschreibt. Surrealistische Zeichnungen und plakative Darstellung von großen Emotionen erzählen von der Begegnung zweier Kinder aus unterschiedlichen Kulturen, deren unschuldige, unvoreingenommene Wesen aus Fremden etwas Bekanntes machen.

"Am Tag, als Saída zu uns kam" ist ein märchenhaftes, starkes und unglaublich poetisches Bilderbuch zum Thema Flucht und Asyl. Einfühlsam und sanft erzählt es von einer Kinderfreundschaft, welche die Barrieren zweier unterschiedlicher Kulturen überwindet. Es ist ein Buch voller Traurigkeit, aber auch Hoffnung, Glück und vor allem voller Freundschaft.

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