Als Mama nur noch traurig war

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Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt
von Anja Möbest, Barbara Korthues (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 25. Mai 2017

Als Mama nur noch traurig war

Viel zu oft werden bereits Kinder mit außergewöhnlich schwierigen Situationen konfrontiert. Etwa die psychische Erkrankung eines Elternteils. Eine solche beeinflusst nicht nur das gesamte Familienleben, sondern hinterlässt auch bei Kindern starke Eindrücke. Sie verstehen nicht, was da gerade mit ihrem Papa oder ihre Mama geschieht und suchen womöglich die Schuld bei sich selbst. Gerade jetzt ist es sehr wichtig, dem Kind besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Der Coppenrath Verlag bietet hierfür das gefühlvolles Bilderbuch "Als Mama nur noch traurig war".

Als die Grummelgrame kamen

Jan ist fünf Jahre alt und eigentlich ein fröhliches Kind. Doch in letzter Zeit verändert sich Mama immer mehr. Sie hat keine Lust mehr, ihm abends etwas vorzulesen. Wenn seine Freunde zu Besuch sind, fühlt sie sich von deren Spiel gestört und dann vergisst sie auch noch, den Schokoladenkuchen fürs Kindergartenfest zu backen. Jan ist traurig, wütend und fühlt sich ganz elend. Warum ist Mama in letzter Zeit nur so oft traurig und niedergeschlagen? Ist er vielleicht schuld daran? Keineswegs erklärt ihm Herr Ritter, Mamas Psychotherapeut. Die wirklich Schuldigen sind die Grummelgrame, miese kleine Biester, die sich in Mamas Nacken festgesetzt haben und ihr lauter schlechte Sachen einreden. Herr Ritter weiß aber auch, wie man diesen Grummelgramen zu Leibe rückt und hilft Jan und seiner Mama dabei, dass bald wieder Lachen in die Familie einzieht.

Ein starkes Buch für starke Kinder

Depression ist kein leichtes Thema für ein Kinderbuch, aber ein unglaublich wichtiges. Denn etwa 15 bis 25 % aller Erwachsenen leiden irgendwann einmal an einer depressiven Erkrankung und mit ihnen sind auch ihre Kinder betroffen. Sie verstehen nicht, warum sich das Verhalten ihrer Eltern so massiv verändert. Sie fühlen sich schuldig und suchen den Grund dafür womöglich bei sich selbst. Das ist nicht nur falsch, sondern birgt obendrein die Gefahr, selbst psychische Probleme zu bekommen. Daher ist es unglaublich wichtig, betroffene Kinder aufzufangen, sie zu begleiten und ihnen viel Unterstützung in dieser schweren Zeit zu geben. Denn nicht nur der erkrankte Elternteil braucht jetzt viel Aufmerksamkeit. Man sollte ihnen nichts verheimlichen und ihnen auch keine Tabus auferlegen. Sie müssen sich eine Bezugsperson suchen dürfen, mit der sie offen über ihre Gefühle reden dürfen, selbst wenn diese von außerhalb der Familie stammt.
Das klingt natürlich leicht, ist es aber nicht. Wie erklärt man einem Kind, was eine Depression ist, woher sie kommt und warum sie ausgerechnet die eigene Mama oder den eigenen Papa getroffen hat. Hierbei will das vorliegende Kinderbuch helfen. Einfühlsam erzählt es die Geschichte von Jan und seiner Mutter. Dabei entsteht das Bild einer Familie,  das sich langsam verändert und immer mehr von einer bedrückten Stimmung überschattet wird. Die Krankheit hat nicht nur eine Bezeichnung, sie wird personifiziert. Sogenannte Grummelgrame sind diejenigen, die an der Traurigkeit der Mutter Schuld haben. Damit wird Kindern etwas Greifbares gegeben, das sie sich vorstellen und erfassen können und an dessen Vertreibung sie mithelfen können. Außerdem machen diese Grummelgrame ganz deutlich klar, dass das Kind keine Schuld trifft.
Neben der gefühlvollen Geschichte über Traurigkeit, Scham- und Schuldgefühle, spielen auch die Illustrationen eine wichtige Rolle. Sie sind voller Farbe und mit kleinen, gezielt gesetzten Details versehen. Dennoch wohnt ihnen eine Traurigkeit inne. Sie steckt im traurigen Blick der Mutter und in den enttäuschten Augen von Jan. Gezielt eingesetzte Klappen zeigen ein Bild von früher, als die Mutter noch glücklich war und von heute, mit all ihrer Traurigkeit.
Dank diesem Buch kann man Kindern nicht nur kindgerecht die Erkrankung Depression erklären, man bekommt auch eine Möglichkeit, einen Einstieg in ein erstes Gespräch zu finden. Das Elternnachwort der Diplom-Psychologin Ina Knocks gibt zudem weitere wertvolle Anregungen, wie man sein Kind durch diese schwere Zeit begleiten und ihm helfen kann, die aktuelle Familiensituation besser zu verstehen.

"Als Mama nur noch traurig war" ist ein gefühlvolles Buch über ein schweres Thema, das jedoch auch Kinder betrifft. Es erklärt auf einfache und verständliche Weise, was Depressionen sind und warum Kinder die Schuld keineswegs bei sich suchen dürfen. Zudem baut es eine Brücke zwischen Eltern und Kind, um gemeinsam über die Krankheit zu sprechen und diese schwere Zeit zusammen zu überwinden. Denn nur so können Kinder gestärkt werden und gesund heranwachsen.

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