Alle zwei Wochen

Antolin Quiz
von Jutta Nymphius, Katja Spitzer (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 24. September 2019

Alle zwei Wochen

Bei familiären Entscheidungen denken wir Eltern natürlich an unsere Kinder und versuchen ihre Interessen mit einfließen zu lassen. Nicht immer ist das möglich und manchmal glauben wir auch nur, ihre Interessen zu kennen. Gerade beim Thema Scheidung ist das Mitspracherecht von Kindern schwer einzubinden, da hier auch Eltern die neue Lebenssituation emotional verarbeiten müssen. Was dabei manchmal in Kindern vorgehen kann, davon erzählt Jutta Nymphius in ihrem lebensnahen Kinderbuch.

Ritterburgen und Hausaufgaben schimmeln nicht

Marthas Eltern haben sich getrennt. Seither sieht sie ihren Vater nur noch alle 14 Tage. Doch damit ist Martha nicht glücklich. Denn zum einen hat sie auch zwischendurch oft Sehnsucht nach ihm, fühlt sich ganz „papalich“. Zum anderen holt Mama sie immer viel zu früh ab. So wie neulich, als sie gerade dabei war, die neue Ritterburg aufzubauen. Die Burg wird ja nicht schimmlig, sondern ist beim nächsten Mal immer noch da, meint Mama nur auf Marthas Einwand.
Wenn das so ist, denkt sie sich, werden Hausaufgaben auch nicht schimmlig und können später gemacht werden. Und so beginnen Martha und ihre ältere Schwester Mia ab sofort ihre Hausaufgaben nur noch alle zwei Wochen zu machen.

Alle zwei Wochen

Einblick in die Gefühlswelt von Scheidungskindern

Jutta Nympius erzählt mit ihrem Kinderbuch „Alle zwei Wochen“ eine lebensnahe Geschichte und greift darin ein emotionales Thema auf: Scheidungskinder. Trennen sich Eltern, ist das immer eine schwere Zeit für jeden einzelnen, aber besonders für Kinder. Sie können nichts weiter tun als zuzusehen, wie ihr Leben sich grundlegend verändert. Wie sich gewohnte und vertraute Rituale plötzlich verändern oder auch wegfallen. Ja, wie sich ihr ganzer Alltag verändert. Daran teilhaben können sie aber nicht, sondern sie müssen sich den Entscheidungen, die ihre Eltern treffen, fügen. Doch wie fühlen sie sich damit? Wie gehen sie damit um? Genau verpackt die Autorin in dieser Geschichte.
Authentisch und nachvollziehbar beschreibt Jutta Nymphius die Gefühlswelt von Martha, die nicht glücklich darüber ist, ihren Vater nur alle 14 Tage sehen zu können. Wir können ihre Traurigkeit und ihre Sehnsucht nach dem Vater deutlich spüren. Wir fühlen ihre Verzweiflung über die Eltern, die sie nicht verstehen wollen. Da alle Einwände ungehört bleiben, ja sogar als unmöglich umzusetzen abgetan werden, greift Martha zu einem Mittel, auf das wir Eltern kaum Einfluss haben: ihre Leistungen in der Schule. Aus Trotz und Hilflosigkeit beginnt sie, ihre Hausaufgaben nicht mehr zu machen, wo sie doch bisher eine fleißige und gewissenhafte Schülerin war. Auch ihre große Schwester macht dabei mit und zeigt so Unterstützung. Eine Unterstützung, die Martha braucht. Denn Spaß macht ihr der Protest nicht. Doch wenn sich die Eltern trennen, dann wachsen Schwestern enger zusammen und helfen einander. Auch dieses Miteinander wird zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichte.  Herausgekommen ist ein Buch, das einen Einblick in die kindliche Gefühlswelt von Scheidungskindern gewährt und zeigt, wie wichtig es ist, für sie da zu sein und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Selbst wenn es einem selbst manchmal schwerfällt. Doch diese neue Lebenssituation kann man nur schaffen, wenn alle zusammenhalten, wenn alle gemeinsam füreinander da sind und gegenseitiges Verständnis aufbringen.
Begleitet wird die Geschichte von Katja Spitzers Illustrationen. Schlicht und mit klaren Linien zeichnet sie einzelne Elemente oder kleine Szenen, die stets Bezug auf den jeweiligen Textabschnitt nehmen. Diese Bilder lockern nicht nur den Textfluss auf, sondern unterstützen auch die gefühlvolle Geschichte.

Alle zwei Wochen

„Alle zwei Wochen“ ist ein lebensnaher und gefühlvoller Kinderroman. Auf Augenhöhe seiner Leserschaft gewährt er uns Einblicke in die Gefühlswelt von Scheidungskindern. Das Buch erzählt von Trennungsschmerz und Sehnsucht zum anderen Elternteil. Gleichzeitig zeigt es uns auch, wie Schwestern zusammenhalten und gemeinsam versuchen, mit dieser neuen Familiensituation umzugehen. Herausgekommen ist ein toller Roman, der nicht nur Scheidungskinder berührt.

Details

Bewertung

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