Man weiß nie, was als nächstes kommt

von Roisin Meaney
Rezension von Janett Cernohuby | 26. Januar 2009

Man weiß nie, was als nächstes kommt

Das Leben als Teenager in Irland ist aufregend und abwechslungsreich. Das beginnt in der Schule, wo man von der Grundstufe in die Mittelstufe (oder gleich in die Oberstufe) wechselt. Das setzt sich im Freundeskreis fort, wo man neben Freundinnen auch einen Freund hat und auch im Elternhaus gibt es immer etwas Neues, wenn man den alten Herrschaften zu erklären versucht, dass man nun endlich erwachsen ist - aber nicht zu erwachsen. Diese und ähnliche Probleme hat das Mädchen Elisabeth, kurz Liz genannt. Doch wie sagt ihre Großmutter immer? "Man weiß nie, was als nächstes kommt." So versucht das junge Mädchen, die Probleme des Alltags auf ihre Art zu nehmen.

Derer hat Liz übrigens genügend. Nicht nur, dass sie bald von der Grundschule zum Gymnasium wechselt, auch hat ihre Mutter kurz nach Weihnachten die Familie verlassen. Etwas, was das junge Mädchen nur schwer verarbeiten kann. Dass es zwischen ihren Eltern schon lange kriselte, hat sie natürlich bemerkt. Trotzdem hat sie nie damit gerechnet, was ihre Mutter ihr kurz nach dem Weihnachtsfest offenbarte: Sie wolle die Familie verlassen und wieder zurück nach San Francisco gehen. San Francisco - von Irland aus gesehen, wo Liz lebt, ist am anderen Ende der Welt! Doch ihre Mutter verspricht ihr, jeden Tag anzurufen. Und das tut sie auch. Doch für Liz ist es einfach nicht dasselbe. Nicht nur, dass ihr Vater nun versucht, den täglichen Haferbrei zu kochen - der nicht nur klumpig ist, sondern auch nicht schmeckt -, er trifft sich seit Neuestem auch mit "Majorie Wurstpelle". So lange sie aber nicht mit zu Liz nach Hause kommt, kann das Mädchen damit aber sehr gut leben.
Natürlich geht die Trennung der Eltern auch sonst nicht spurlos an dem Mädchen vorbei. In der Schule fällt sie durch das Stören des Unterrichts auf und wird obendrein auch noch beim Stehlen erwischt. Zum Glück kommt Liz rechtzeitig zur Vernunft, als sie von der Grundschule auf das Gymnasium wechselt. Hier gewinnt sie nicht nur neue Freunde, sie arbeitet auch mit größerer Freude wieder am Unterricht mit. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach der Mutter, die für das mittlerweile vierzehnjährige Mädchen eines Tages eine Überraschung bereit hält...

"Man weiß nie, was als nächstes kommt" ist ein bewegendes Jungmädchenbuch. Anders als es der Titel verspricht, erzählt es nicht etwa eine abwechslungsreiche Geschichte aus dem Leben eines jungen Teenagers. Vielmehr ist es ein Auszug eines Tagebuches eines Mädchens, dessen Mutter die Familie in einer für sie schwierigen Lebensphase verlässt. Liz lebt von nun an alleine mit ihrem Vater, der sich alle Mühe gibt, die fehlende Mutter zu ersetzten. Doch manchmal ist dies einfach nicht möglich, besonders dann, wenn ein Mädchen zum ersten Mal ihre Menstruation bekommt. Der Leser spürt die Hilflosigkeit des Vaters, der selbst verlassen wurde und zudem versucht, seiner Tochter den Trennungsschmerz zu erleichtern. Wie sein Gefühlsleben aussieht, erfährt der Leser freilich nur am Rande. Denn das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und wirkt zudem wie ein Tagebuch. Es werden die Ereignisse der jeweiligen Tage aus der Sicht der jungen Liz wiedergegeben, wodurch auch Dialoge mit anderen Personen recht spärlich ausfallen. So hat der Leser während der gesamten Lektüre immer nur das Gefühl, ein Beobachter zu sein, aber nicht richtig am Geschehen teilzunehmen. Außer der Protagonistin lernt man die anderen Personen nur sehr oberflächlich kennen. Man erfährt immer nur so viel, wie die Erzählerin bereit ist, von ihnen wiederzugeben. Gerade in Bezug auf das Nachbarsmädchen Ruth Wallace ist dies eine besonders schwierige Situation. Scheinbar schient diese ein sehr boshaftes Mädchen zu sein; gleichzeitig kann man sich nicht recht vorstellen, dass sie wirklich so gemein zu Liz ist, wie diese immer darstellt.
Die Sprache des Buches ist locker und dem Alter eines dreizehnjährigen Mädchens angepasst. Das verleiht dem Buch seine Glaubhaftigkeit, erscheint sie doch als eine Art Tagebuchauszug. Allerdings erweist sich dieser Stil so manches Mal als sehr zäh zu lesen, fehlt dem Leser doch ein klarer roter Faden, der sich durch die Geschichte zieht.

Zusammengefasst ist "Man weiß nie, was als nächstes kommt" ein bewegender Jugendroman für junge Mädchen. Jedoch geht es in ihm nicht um Jungs, Mode und Freundinnen, sondern vielmehr um den Weggang der Mutter von der Familie. Es ist kein heiterer und ungezwungener Lesespaß, sondern regt eher zum Nachdenken und Mitfühlen an.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2008
  • Umfang:
    172 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ISBN 13:
    9783414821249
  • Preis:
    12,9 €

Bewertung

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