Fürimmerhaus

von Kai Meyer
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. September 2021

Fürimmerhaus

Es gibt viele Häuser in unserer Welt. Man kann darüber hinaus mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass das Konzept einer geschützten Unterkunft auch in anderen Welten in ähnlicher Form existiert. Diesen Gedanken verfolgt auch Kai Meyer in seinem neuen Jugendroman „Fürimmerhaus“. In diesem geht es um ein Haus, das zwischen den Welten liegt und um Charaktere, die vor einer schwierigen Situation stehen.

Als Carter von einem Brunnen ausgespien wird und sich danach in einer großen Halle befindet, weiß er nichts außer seinem eigenen Namen. Nichts über seine Vergangenheit und noch weniger über die Welt, die sich um ihn herum befindet. In Empfang genommen wird er von einem Mädchen namens Emmeline, die zwar wie ein Geist leuchtet, aber der Meinung ist, dass eher er seltsam ist. Denn er sollte sich eigentlich nicht einmal an seinen Namen erinnern können. Carter stößt mit dem Mädchen auf eine Gruppe an Individuen, die versuchen, ihm die Struktur der Welt, in der er gelandet ist, zu erklären. Das ist nicht ganz einfach. Denn da sind die offensichtlich nie alternden Erlöser, zu denen er auch gehört. Helden, die andere Welten gerettet haben und dann ohne Erinnerung hierher entsorgt wurden. Dann gibt es die Archonten, die sich untereinander bekriegen, und die Treibholzmenschen, die aus dem Meer immer wieder Invasionen starten. Denn sie sind im Fürimmerhaus. Einem Ort, der sich verändert und ausbreitet, von einem geheimnisvollen Erbauer geschaffen, der aber im Zentrum des Hauses gefangen gehalten wird. Und doch stellt dieser wohl die einzige Chance dar, dass Carter und die anderen je wieder in ihre Heimaten zurückkehren können. Denn es ist klar ersichtlich, dass sie alle aus verschiedenen Welten stammen, besonders erkennbar an Hengis – halb Mensch, halb Kaninchen.

Kai Meyer deutet schon zu Beginn der Erzählung an, dass Carter anders ist als die übrigen „Erlöser“. Und das zeigt sich auch weiter auf deren gemeinsamer Reise quer durch das Haus, über Schlachtfelder und nahe der gefürchteten Eulenechse. Immer wieder gibt es Andeutungen. Man glaubt, Fragmente vergessener Welten zu erhaschen. Man versucht den Mechanismus zu verstehen, in dem jugendliche Helden ohne Erinnerung, ohne zu altern ums Überleben kämpfen. Tatsächlich gibt es eine Logik hinter dem System des Hauses – doch diese muss man als Leser selbst herausfinden. Der Autor inszeniert eine Heldenreise auf der Flucht, bei der es kaum einen Moment der Entspannung und des Durchatmens gibt. Trotzdem erhalten die verschiedenen Charaktere dabei die Möglichkeit ihre Persönlichkeit zu entwickeln und zu präsentieren. Zudem kann man sich auf eine Auflösung freuen, die sicher für den einen oder anderen überraschten Ausruf sorgen wird. Und auch wenn das Buch sich an ein jüngeres Zielpublikum wendet, werden sicher auch erwachsene Leser ihre Freude damit haben. Denn selbst wenn die Geschichte selbst von jungen Helden dominiert wird, ist das sie umgebende Szenario doch eher zeitlos gestaltet und regt dabei zum Nachdenken an. Beinahe vermeint man eine Aussage hinsichtlich eines Autors und seiner eigenen Geschichten zu erkennen.

 „Fürimmerhaus“ ist ein Jugendroman von Kai Meyer, in dem sich ein Held ohne Erinnerung einer Gruppe anschließt, der es genauso geht wie ihm. In einer Welt, deren Regeln er erst lernen muss, machen sie sich gemeinsam auf, um den Schöpfer des Fürimmerhauses zu finden. Dieser ist nicht nur die einzige Chance auf den Weg nach Hause, sondern auch der einzige, der die vielen offenen Fragen beantworten kann. Fragen, die für alle Lesenden spannend sind, nicht nur für die jugendliche Zielgruppe.

Details

Bewertung

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