Die Drachensteine

von Geraldine McCaughrean
Rezension von Janett Cernohuby | 25. Januar 2009

Die Drachensteine

Hexen, Drachen und Feen sind Wesen, die in zahlreichen Sagen und anderen fantastischen Erzählungen vorkommen. Aber wirklich geben tut es sie nicht. Es sind ja nur Fabelwesen aus alten Märchen. So denkt jeder von uns und auch der Junge Phelim sieht dies nicht anders. Doch er muss erkennen, dass dieser Glaube ein Trugschluss ist, denn diese sogenannten Fabelwesen gibt es tatsächlich, nur haben wir Menschen sie vergessen. Davon, und seinem spannenden Abenteuer, erzählt Geraldine McCaughreans Jugendroman "Die Drachensteine".

Als der Junge Phelim eines Morgens die Küche betritt, traut er seinen Augen nicht. Hektisch laufen dort viele seltsame kleine Wesen herum und verbarrikadieren Türen und Fenster. Völlig irritiert fragt Phelim, was hier vor sich gehe. Ein Domovoy, eine Art Zwerg, erklärt dem Jungen, dass er, Jack oGreen, derjenige sei, der den Stoor-Drachen besiegen kann. Bevor Phelim überhaupt begreifen kann, was diese seltsamen Wesen von ihm wollen, befördern sie ihn auf die Straße und verriegeln die Tür hinter ihm. Phelim beschließt, ins nächste Dorf zu gehen und Hilfe zu holen. Doch dort soll er nicht ankommen. Unterwegs trifft er auf den verrückten Sweeny und das Mädchen Alexia. Beide erklären ihm, dass er ein Mitternachtskind und somit der einzige, der die Welt vor dem Untergang retten könne. Dafür müsse er aber den Storr-Drachen töten. Dieser hütet die Hecklinge

bösartige Steine die schreckliche Monster und Ausgeburten erschaffen, um diese auf die Menschheit loszulassen. Bald schon macht Phelim die erste Bekanntschaft mit einem solchen Wesen und nur in letzter Sekunde kann Alexia ihn retten. Nach und nach begreift er den Ernst der Lage und begibt sich auf den äußerst gefährlichen Weg zum Storr-Drachen...

"Die Drachensteine" ist ein Jugendbuch, das in seiner Heimat gefeiert wird, bei uns jedoch nicht so richtig beim Publikum ankommt. Als Leser kommt man nur schwer in die Handlung hinein. Zum einen weiß man nicht, wo und zu welcher Zeit man sich befindet. Erst im Laufe der Handlung erfährt man, dass es Großbritannien ist, vermutlich zur Zeit eines der Weltkriege. Zum anderen sträubt sich der Hauptcharakter zu Beginn sehr, sein Schicksal zu akzeptieren. Diese Stimmung überträgt sich stark auf den Leser und man zwingt sich fast dazu, weiter zu lesen.
Die Spannung will nicht richtig aufkommen, dafür wird die Geschichte aber von Seite zu Seite düsterer und unheimlicher. Es treten an fast jeder Straßenecke Monster auf, eines grusliger als das nächste. Diese Wesen sind aber keine Kopie bereits vorhandener Kreaturen, sondern völlig neue Schöpfungen. Durch ihre unzureichende Darstellung und Erläuterung, fällt es dem Leser jedoch schwer, sich beispielsweise ein Nuckelavies vorzustellen. Doch nicht nur diese Monsterflut erschwert das Lesen. Zu wenig geht die Autorin auf Hintergründe ein. Warum ist Phelim der Richtige? Was hat oder kann er besonderes? Was hat es mit seinem Vater auf sich? Und warum wird er immer als Jack o'Green bezeichnet? Auch wird nie richtig erklärt, warum Phelim zur Erfüllung seiner Aufgabe einen Narr, eine Jungfrau und ein Pferd braucht. Diese Rollen werden von Sweeny, Alexia und einem Höckergaul übernommen. Natürlich helfen sie dem Jungen mehr als einmal, jedoch wird nie deutlich, warum sie diese Titel tragen.
Zwar lernt man im Verlauf der Handlung die Charaktere sehr gut kennen, aber man freundet sich nie richtig mit ihnen an. Sie werden sehr distanziert beschrieben, wodurch der Leser nicht die Möglichkeit hat, mit ihnen mitzuleiden oder zu freuen. Phelims Starrsinn und seine Selbstzweifel (die dank der Niederträchtigkeit seiner Schwester sehr stark ausgeprägt sind) strapazieren schon bald sehr die Geduld des Lesers. Phelims Schwester ist übrigens besonders überzeichnet und unrealistisch dargestellt. Sie ist nicht nur gemein und bösartig, sie ist das schlechteste und verabscheuungswürdigste Lebewesen, das man sich nur vorstellen kann. Eine Darstellung, die man irgendwann einfach nur noch überlesen möchte. Ganz schlimm wird es dann am Ende des Buches, als Phelim sich für all ihre Gemeinheiten rächt und sie ins Verderben schickt. Eine Handlung, die zum einen nicht zu einem Helden passt, zum anderen auch keineswegs zu der bis dahin beschriebenen Person Phelims. Doch hat man bis zu dieser Stelle die Geduld aufgebracht, weiter zu lesen, wird einem diese letzte Tat wohl kaum noch verwundern oder gar den Kopf schütteln lassen.
Bei all den negativen Kritikpunkten muss man der Autorin dennoch auch Lob aussprechen. So hat sie sich zweifelsohne einen guten Plot ausgedacht. Die Idee, dass all die Fabelwesen aus Sagen und Märchen tatsächlich unter uns leben, wir sie aber nur vergessen haben, hat durchaus ihren Reiz. Aber die Umsetzung ist ihr nicht sehr gut gelungen.

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