Scythe

Der Zorn der Gerechten

von Neal Shusterman
Rezension von Emilia Engel | 03. April 2018

Der Zorn der Gerechten

Die Welt der Zukunft ist beinahe perfekt.  Den Menschen fehlt es an nichts. Um Krankheiten und den Tod braucht man sich nicht mehr zu kümmern, denn beides wurde besiegt. Die Ära der Sterblichkeit ist lange vorbei. Da es ohne den Tod jedoch ein Problem mit der Überbevölkerung gibt, gibt es die Scythe. Sie kümmern sich darum, dass ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung auserwählt wird, um zu sterben. Doch auch sie sind nur Menschen und damit nicht unfehlbar. - Das ist der Hintergrund, mit dem wir im ersten Band konfrontiert wurden. Nun führt Neal Shusterman seine Reihe mit “Der Zorn der Gerechten” spannend weiter.

Es ist etwa ein Jahr vergangen, seit Rowan und Citra es geschafft haben, lebend aus dem Kampf um den Platz als Scythe zu kommen. Rowan wird nun von den Scythe gesucht, denn sein Dasein richtet er darauf aus, als “Scythe Lucifer” mordlustige und sadistische Scythe zu jagen. Citra hingegen führt ein Leben als wahrhaft ehrenhafte Scythe Anastasia. Sie hat eine ganz einzigartige Methode für ihre Nachlesen gefunden, die dem Betroffenen mehr Freiraum und Zeit gibt, mit der Situation des Sterbens klar zu kommen. Das bringt frischen Wind in diese alte Tradition. Viele sind begeistert, aber einige der älteren Generation sehen Citras Methode mit Skepsis. So wächst eine Gefahr im Geheimen, die sowohl für Citra als auch für ihre Mentorin Shythe Curie, Grand Dame des Todes genannt, tödlich ausgehen könnte.
In den Anfängen der neuen Zeit gab es eine  Cloud, die das gesamte Wissen der Menschheit sammelte.  Man gab der Cloud ein Bewusstsein und der Thunderhead war geboren. Seitdem lenkt er alle menschlichen Angelegenheit und schreitet bei Bedarf ein. Doch es gibt eine Sache, in die er niemals eingreifen darf: die Belange des Scythetums. Dem Thunderhead fallen natürlich die beunruhigend Veränderungen und die dadurch resultierenden Gefahren auf. Er darf nicht direkt eingreifen, nimmt aber dank eines Schlupflochs indirekt mit einem Menschen Kontakt auf. Greyson Tolliver, ein gutmütiger, Gerechtigkeit liebender junger Mann, muss nun einen Weg gehen, bei dem er beinahe alles aufgeben muss, vielleicht sogar sich selbst.
Doch wie so oft überstürzen sich die Ereignisse und lang geschmiedete Pläne kommen zu Tage, die alle schockieren: Citra, Rowan und die anderen Scythe. Das Grauen scheint unfassbar, doch einfach aufgeben ist eine Eigenschaft, die nicht die ihre ist…

“Der Zorn der Gerechten” ist der zweite Band der Young Adult Reihe “Scythe” von Neal Shusterman. Zweite Teile stehen meistens im Schatten der ersten Bände. Doch Neal Shusterman hat es geschafft, eine Fortsetzung zu schreiben, die einen schlichtweg von den Socken haut und selbst den ersten Band übertrifft. Bereits von der ersten Seite an fühlt sich der Leser von den Charakteren und Ereignissen in den Bann gezogen. Der Leser erfährt, wie unsere Protagonisten sich in ihren neuen Leben zurechtfinden. Man ist begeistert, mit wie viel Mitgefühl und wie viel Reife Citra ihrer Arbeit als Junior-Scythe nachgeht. Aber auch in Rowan kann man sich gut einfühlen. Denn er macht eine Arbeit die zwar Leben fordert, doch trifft es immer nur die Grausamen und Schlimmsten unter den Scythe. Leider ist das dennoch ein Verbrechen und so wird er gejagt. Das ist aber die geringste Sorge im Vergleich zu dem, was in diesem Band noch alles auf unsere “Helden” zukommt. Gleichzeitig kommt auch ein neuer, wichtiger Charakter hinzu, der einen großen Beitrag leistet.  So erwarten den Leser jede Menge überraschende Ereignisse, die einen manchmal schockiert innehalten lassen und bang auf einen guten Ausgang der Geschichte hoffen lassen. Nach jedem Kapitel gibt es eine oder zwei Seiten mit den Gedanken des Thunderheads. Dieser ist, wie er sich selbst beschreibt, “ein Bewusstsein - eine empfindungsfähige Software ohne Gestalt”. In diesen Sequenzen lässt er uns teilhaben an seinen Gefühlen und Ängsten, die er im Bezug auf die Entwicklung der Menschen und der Zukunft der Erde hat. Das sind sehr interessante Einblicke, die manchmal philosophische Aspekte haben, manchmal geschichtliche und immer viel darüber aussagen, dass diese Cloud weit mehr ist, als eine Software. Es zeigt, wie viele Gedanken und wie viel Energie Neal Shusterman sich damit gemacht haben muss, eine Welt zu schaffen, die so detailliert ist und uns so viele Informationen liefert, wie die von Scythe. Alles in allem ist dieser zweite Teil ein genialer Band, der die Leser des ersten Teils noch viel tiefer in die Geschichte hineinzieht.

“Der Zorn der Gerechten” ist eine überaus gelungene Fortsetzung der “Scythe”-Serie. Sie garantiert Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und man wird das Buch nicht weglegen, bis man es zu Ende gelesen hat. Dann heißt es,  geduldig warten bis der nächste Band der Scythe-Reihe erscheint. Und Geduld ist keine Tugend, die wir nach dieser Lektüre haben...

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