Aquila

von Ursula Poznanski
Rezension von Emilia Engel | 05. September 2017

Aquila

Was macht man, wenn man aufwacht und keinerlei Erinnerung an die letzten zwei Tage hat? Die einzigen Hinweise die man hat, werfen nur Fragen auf, statt auf etwas Aufmerksam zu machen. Was zuerst wie ein übler Scherz scheint, wird schnell zu einer bedrohlichen Angelegenheit. Ursula Poznanski greift hier ein beliebtes Thema unter Autoren auf: Amnesie. Das Buch erzählt von einer jungen Frau, die verzweifelt versucht ihre Erinnerungen zurückzugewinnen. Trotz der Gefahren, denen sie sich deshalb aussetzt, scheinen sie jedoch nicht zurückzukehren...

Als die 19-jährige Kunststudentin Nika aufwacht, glaubt sie zuerst, sie hätte einen ausschweifenden Abend hinter sich, denn erinnern kann sie sich an nichts. In ihrem Badezimmer findet sie ein fremdes T-Shirt voller Blut und auf den Spiegel ist eine Drohung geschrieben. In ihrer Hosentasche entdeckt sie dann auch noch einen Zettel in ihrer Handschrift - eine Liste mit Hinweisen, die ihr nur Rätsel aufgeben. Schließlich stellt sie fest, dass ihr ganze zwei Tage in ihrer Erinnerung fehlen. Ihre Mitbewohnerin Jenny ist nirgends aufzufinden. Überhaupt kann sie niemanden kontaktieren, da ihr Handy verschwunden ist - ebenso wie ihre Schlüssel und ihr Pass. Aber sie kennt ohnehin kaum jemanden in der Stadt. Erst sein ein paar Wochen ist sie in Siena, um hier ihr Auslandssemester zu verbringen. Ihre Italienischkenntnisse sind unterirdisch, was die ganze Sache noch viel schlimmer macht.

Angewiesen auf die wenigen Leute, die sie kennt, versucht sie die vergangenen Tage zu rekonstruieren. Entsetzt muss sie feststellen, dass sie angeblich Dinge getan hat, die ihr gar nicht ähnlich sehen. Die schwarzen Flecken in ihrer Erinnerung lasten immer schwerer auf Nika. Dazu kommen die Bedrohung und Verfolgung durch einen Fremden und ein Verbrechen, von dem die italienische Polizei glaubt, dass sie es begangen hat. Doch mit dem Gedächtnisverlust muss selbst Nika einsehen, dass sie nicht sagen kann, ob sie hier Täter oder Opfer ist. Verzweifelt versucht sie ihre eigenen Hinweise zu entschlüsseln und bringt sich dadurch selbst immer mehr in Gefahr.

Mit “Aquila” präsentiert uns Ursula Poznanski wieder einen Thriller im Jugendbuchbereich. Gedächtnisverlust ist ein Thema, das die Menschen schon immer fasziniert hat. Es hat sich bestimmt schon jeder einmal gefragt, wie es wohl wäre, ohne Erinnerung aufzuwachen. Die Autorin schafft es dem Leser gut zu vermitteln wie hilflos und ausgeliefert sich ihre Protagonistin fühlt. Da wir Leser aber schon durch viele Bücher und Filme mit Amnesie vertraut sind - Nika aber offenbar gar nicht - denkt man sich, dass man diese Situation selbst besser meistern würde. Andererseits, was erwartet man sich auch von einer Studentin, die ein Auslandssemester in einem Land macht, dessen Sprache sie nicht mal im Ansatz beherrscht? Womöglich ist es aber auch die Absicht der Autorin, dass unsere Hauptperson etwas naiv und ungeschickt agiert. Sympathisch finden werden sie vermutlich trotzdem die wenigsten.

Leider will aber die Spannung im Laufe der Geschichte nicht so recht aufkommen. Es entsteht der Eindruck, als hätte man die ganze Action bereits verpasst und man hätte lieber die Geschichte der vergessenen zwei Tage aus erster Hand gelesen, anstatt sie sich auf der Schnitzeljagd zusammenrätseln zu müssen.

Die Autorin hat schon mit zahlreichen Werken bewiesen, dass sie ihre Geschichten immer spannend und mitreißend erzählen kann. Dieses Mal konnte sie mit ihrem Roman aber leider nicht überzeugen. Aus dem schönen Siena, dem Ort des Geschehens und des Kunststudiums der Protagonistin hätte man mehr herausholen können. Die Geschichte an sich hätte auch eindeutig mehr Tiefgang vertragen. Dementsprechend bleibt Enttäuschung darüber zurück, dass man mit “Aquila” nicht die Qualität bekommen hat, die man erwartet hätte.

“Aquila” ist sicher das bisher schwächste Buch der Wiener Autorin Ursula Poznanski. Wenn man seine Erwartungen aber etwas herunterschraubt und nicht allzu erpicht auf eine tiefgehende Geschichte ist, hat man mit ihrem neuesten Jugendroman eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre. Als Unterhaltung für den Urlaub am Strand oder als Überbrückung bis zum nächsten Bestseller der Autorin ist das Buch auf jeden Fall geeignet!

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    08/2017
  • Umfang:
    432 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783785586136
  • Preis:
    16,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:

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