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Jim Knopf

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer - Die Komplettlesung

von Michael Ende, Robert Missler (Sprecher/-in)
Rezension von Stefan Cernohuby | 31. August 2015

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer - Die Komplettlesung

Es gibt unterschiedliche und manchmal sogar kuriose Gründe, warum ein Abenteuer seinen Anfang nehmen kann. Eine Verwechslung, einen Zauberer, der einen gerne dabei hätte oder sogar weil auf der eigenen Insel schlicht und einfach der Platz fehlt. So beginnt Michael Endes Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, das nun bei Silberfisch/Hörbuch Hamburg als vollständige Lesung vorliegt.

Die Insel Lummerland ist wirklich sehr klein. Auf ihr gibt es lediglich zwei kleine Berge, eine Eisenbahnlinie, einen kleinen Laden, ein paar Häuser und den Amtssitz des Königs. Insgesamt beträgt die Zahl der Einwohner also vier. Lukas, der Lokomotivführer, Frau Waas, die Inhaberin des Ladens, Herr Ärmel und schließlich König Alfons der Viertel-Vor-Zwölfte. Die Haupttätigkeit, die auf der Insel stattfindet, ist die alltägliche Runde der Lokomotive Emma. Das ändert sich, als eines Tages eine falsch verschickte Postsendung bei ihnen ankommt. Das von einer „13“ abgeschickte Paket enthält zu jedermanns Überraschung ein kleines schwarzes Baby. Dieses wächst fortan als halber Untertan in Lummerland auf und wird immer größer. Jim Knopf, wie er genannt wird, ist mit allen auf der Insel befreundet, besonders aber mit Lukas und will wie dieser Lokomotivführer werden. Als der König Lukas eines Tages offenbart, dass dieser auf seine Lokomotive verzichten müsse, da nicht genügend Platz auf Lummerland sei, überschlagen sich die Ereignisse. Lukas und Jim verlassen mit Emma die Insel und landen schließlich in Mandala. Als sie dort erfahren, dass die Prinzessin entführt wurde, bieten sie ihre Hilfe an. Dies führt zuerst zu einigen Verwicklungen, da der Oberbonze Pi Pa Po keineswegs an der Rettung der Prinzessin interessiert ist. Nur dank der Hilfe eines Kleinkindes, das wie alle im Reich Mandala bereits sehr schlau ist, kann das Problem beseitigt werden. So fahren Lukas, Jim und Lok Emma durch das „Dach der Welt“, ein gewaltiges Gebirge bis in die Drachenstadt, wo die Prinzessin Li Si gefangen gehalten wird. Doch können Lukas, Jim und die Lokomotive Emma all jene Abenteuer überstehen, die noch auf sie warten?

Die Geschichte wartet nicht nur mit unzähligen kleinen und großen Abenteuern auf, sondern auch mit einer Heerschar an unterschiedlichen Charakteren. Das macht es zu einer großen Herausforderung, all diesen eine Stimme zu verleihen, die markant ist und in Erinnerung bleibt. Robert Missler, der das Hörbuch liest, gelingt dies allerdings auf beeindruckende Art und Weise. Besonders die Kreaturen der Drachenstadt müssen ihm schwierige Aufgaben abverlangt haben, er scheitert jedoch bei keiner. Die Handlung selbst besitzt Wendungen, Überraschungen und eine ganze Menge an seltsamen Einfällen des Autors. Und vor allem, das Werk ist frei von jeglichem pädagogischen Zeigefinger und auch noch ohne die heutige übliche „Polictical Correctness“. Ja, vermutlich werden einige der Eltern jüngeren Baujahres bei einigen Bezeichnungen die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Ja, da werden einmal ein „Neger“ und ein „Eskimo“ erwähnt. Ja, das Bild, das Michael Ende von Indianern zeichnet entspricht ziemlich dem damalig vorherrschenden Klischee. Und zum dritten Mal ja, er stellt auch Asiaten nicht korrekt dar. Tatsächlich hat der Autor alle vorkommenden Völker und Länder mit voller Absicht verfremdet, eben um eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, deren Helden nicht geradliniger sein könnten. Probleme werden ins Auge gefasst und mit einem rudimentären Plan angegangen. Details lassen sich am Weg lösen. Der unnachahmliche Stil des Autors, mit Wortspielen und witzigen Namen nicht zu geizen, tut noch sein Übriges. All das macht das Hörbuch von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ zu einem Hörbuch, das man nur empfehlen kann.

So wie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende zu den absoluten Klassikern unter deutschspracheigen Kinderbüchern zählt, ist auch die von Robert Missler gelesene Hörbuchversion ein Erlebnis. Der Sprecher haucht nicht nur jedem der unzähligen Charaktere eine eigene Seele ein, er transportiert auch Spannung und Witz gleichermaßen. Insgesamt hat man hier ein Hörbuch vorliegen, dass gerade wegen seines Alters eine gewisse Zeitlosigkeit besitzt. Was hier fehlt sind der mahnende Zeigefinger und die heute übliche Korrektheit. Und das ist gut so.

Details

Bewertung

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