Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat


& Der Ostermann & Prinzessin Popelkopf
von Marc-Uwe Kling
Rezension von Janett Cernohuby | 02. Juli 2018

Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil unseres Alltags. Sie sind für uns so selbstverständlich geworden wie der elektrische Strom oder das fließende Wasser. In immer mehr Bereichen verlassen wir uns blind auf sie, haben es sogar verlernt, ohne sie auszukommen. Doch was wäre, wenn für nur einen Tag einmal das Internet ausfallen würde und wir darauf verzichten müssten? Wie sähe so ein Tag aus? Wie würden wir ihn gestalten? Marc-Uwe Kling hat dieses Gedankenexperiment einmal durchgespielt. Herausgekommen ist eine äußerst unterhaltsame Geschichte für Kinder: "Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat".

Die ganze Welt ist offline

Es sind Ferien und Oma und Opa sollen auf Tiffany, ihren großen Bruder Max und ihre noch größere Schwester Luisa aufpassen. Doch ausgerechnet da passiert es. Oma klickt einmal zu oft und macht - ganz aus Versehen - das Internet kaputt. Aber nicht nur zuhause, wie zunächst angenommen wurde, sondern auf der ganzen Welt. Nix geht mehr. Kein Internetfernsehen, kein Streamen von Musik, kein Navigationsgerät, keine Bankgeschäfte, keine Onlinespiele - einfach gar nichts. Die Familie nutzt diese Gelegenheit, um einmal zusammen zu rücken und etwas gemeinsam zu machen.
Dann wird das Internet wieder repariert.
Und Tiffany wünscht sich, Oma würde es noch einmal kaputt machen…

Zwei weitere Geschichten

Neben dieser Geschichte gibt es noch zwei weitere Erzählungen auf dem Hörbuch: "Der Ostermann" und "Prinzessin Popelkopf". Zugegeben, sie sind Geschmackssache und vermögen nicht jeden zu überzeugen. In Versen erzählt, handelt "Der Ostermann" von Sohn des Weihnachtsmanns, der keine Lust auf Winter, Schlitten und heißen Tee hat, sondern viel lieber den Frühling, Hasen und bunte Eier mag. Darum möchte er auch Ostermann werden. Was wohl sein Vater dazu sagt?
"Prinzessin Popelkopf" ist eher dumm und eingebildet und wird von einer Hexe verflucht so zu sein, wie sie heißt. Fortan hat sie also einen riesigen Popel als Kopf. Ihr Vater, der König, rät ihr, zu heiraten. Denn dann würde sie ihren Namen ändern - und somit ihr Aussehen. Doch anstatt Bauer Schlau oder Glaser Glücklich zu heiraten, entscheidet sie sich für Graf Grützhirn.

Autorenlesungen mit viel schwarzem Humor

Alle drei Geschichten beinhalten viel Gesellschaftskritik. Dennoch gehen sie in drei sehr unterschiedliche Richtungen. Die titelgebenden Geschichte greift - wie es der Name schon erahnen lässt - das Thema Internet und einen bewussten Umgang mit diesem auf. Denn es ist tatsächlich so, dass wir uns immer mehr auf die Technik verlassen und dabei verlernt haben, kreativ zu sein, uns selbst zu bemühen und auch einmal mitzudenken. Stattdessen schalten wir unser Gehirn offenbar oft komplett aus und nehmen unsere Umwelt kaum noch wahr. Bestes Beispiel ist hier der Vater, der aufgrund des nicht funktionierenden Navis nicht von der Arbeit nach Hause zurückfindet, sondern sich glatt verfährt. Vieles in der Geschichte ist zwar sehr stark überzeichnet, dennoch wird die Botschaft des Autors sehr deutlich. Er zeigt, wie sehr wir unser Leben, unseren Alltag von der Nutzung des Internets abhängig machen und wie unbeholfen wir offenbar ohne dieses sind. Seine Geschichte ist ein Apell, wieder selbst mitzudenken und uns nicht immer auf die Technik und neuen Medien zu verlassen.

Die zweite Geschichte, "Der Ostermann", übt in verschiedenen Bereichen Kritik. Ganz offensichtlich geht es natürlich darum, dass der Sohn seine eigenen Vorstellungen hat, wie er später sein Leben gestalten will und was er einmal werden möchte. Das entspricht nicht ganz dem, was seine Eltern von ihm erwarten, was die Tradition verlangt. Daneben werden aber auch andere Themen wie Konsum und Arbeitsbedingungen angesprochen. Nun, Kinder lachen, wenn am Ende der Ostermann die Eier bringt und zur Winterzeit ein Hase durch die Lande hoppelt.
"Prinzessin Popelkopf" steigert diese Kritik um ein Vielfaches, wirft aber auch die Frage auf, ob diese in Gedichtform geschriebene Geschichte wirklich für Kinder geeignet ist. Freilich, über die zahlreichen Schimpf- und Fäkalbegriffe lachen sie lauthals mit, aber viele Andeutungen werden sie nicht verstehen. Etwa, wenn die Obrigkeit durchgehend mit abwertenden Namen und Eigenschaften versehen wird, während die Arbeiterklasse mit lobenden Worten bedacht wird. Wem es gefällt, der wird sicherlich auch über dieses Stück lachen können und es immer wieder gerne anhören wollen.
Die Umsetzung aller drei Geschichten als Hörbuch ist sehr gut gelungen. Gelesen vom Autor selbst und begleitet von Musik und Geräuschen, präsentieren sich die Erzählungen sehr humorvoll, bissig und unterhaltsam.

"Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat" von Marc-Uwe Kling ist eine äußerst witzige und auch sehr gesellschaftskritische Geschichte. Sie unterhält nicht nur, sondern gibt uns auch manches zum Nachdenken. In ihrer Hörbuchfassung wird die Erzählung von zwei weiteren begleitet, die vielleicht aber nicht jedermanns Geschmack sind. Die Anschaffung lohnt sich dennoch, gerade aufgrund der titelgebenden Geschichte.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2018
  • Umfang:
    1 Audio-CD
  • Typ:
    CD
  • Altersempfehlung:
    5 Jahre
  • ISBN 13:
    9783745600131
  • Spieldauer:
    40 Minuten

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Sound:

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