Das NEINhorn


& Der Tag, an dem der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat
von Marc-Uwe Kling
Rezension von Janett Cernohuby | 20. Juli 2020

Das NEINhorn

Als im Frühjahr Marc-Uwe Klings Bilderbuch „Das NEINhorn“ erschien, schlug dieses ein wie eine Bombe. Die aberwitzige Geschichte über ein süßes Einhorn, dessen Charakter alles andere als süß ist, erobert nicht nur die Herzen von Mädchen, sondern begeisterte auch Jungs und Erwachsene. Nun hat Marc-Uwe Kling das Bilderbuch als Hörbuch eingesprochen - und hängt gleich noch „ Der Tag, an dem der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat“ an.

Von bockigen Einhörnern und modernen Wasserkochern

Die Geschichte vom Einhorn lässt sich schnell erzählen: Im rosa Herzwald leben zahlreiche Einhörner. Fröhlich und zufrieden kauen sie ihren Glücksklee und erfreuen sich an ihrem fluffig-flauschigen Zuhause. Doch eines Tag erblickt ein Einhorn das Licht der Welt, das zwar herzallerliebst aussieht, aber furchtbar bockig ist. Darum wird es von allen nur noch NEINhorn genannt. Eines Tages verlässt es den Herzwald und wandert nach Nirgends. Unterwegs trifft es einen Waschbären, der nicht zuhört, einen Hund, dem alles egal ist und eine Königstochter, die allem widerspricht. Zusammen bilden sie ein herrlich bockiges Gespann, das zusammen viel Spaß hat.

In der zweiten Geschichte treffen wir alte Bekannte wieder. Nämlich die Familie, deren Oma vor gar nicht langer Zeit das Internet kaputt gemacht hat. Nun sind mal wieder Ferien und die Großeltern passen auf die Enkel auf. Oder war es umgekehrt? Nein, hätten die Enkel auf ihre Großeltern aufgepasst, wäre der Opa nicht auf die Idee gekommen, den modernen Plastik-Wasserkocher auf den Herd zu stellen. Tja, und welche Aufregung danach los ist, kann man sich ja vorstellen…

Das Neinhorn & Der Tag, an dem der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat

Humor, Witz und vorgehaltene Spiegel

Da ist es also, das NEINhorn als Hörbuch. Natürlich vom Autor selbst gesprochen, wie sollte es anders sein? Denn wer kann eine Geschichte wie diese besser in Szene setzen, als der, der sie verzapft hat? Großartig bekommt Marc-Uwe Kling das hin. Er packt all die Bockigkeit, all den Trotz, ebenso die Gute- Laune und rosa Wattewolken in seine Betonung. Dabei kommt ihm natürlich sein Talent als Sprecher unheimlich zugute. Er verleiht jedem Tier seine eigene Stimme, lässt manche schrill und hoch, andere grummelig und launisch sprechen. Genau so, wie man es sich von den Charakteren erwartet. Es ist einfach ein Spaß für die ganze Familie dem Autor zu lauschen, wenn er vom NEINhorn erzählt.
Wer das NEINhorn bisher noch nicht kannte und sich fragt, was es damit auf sich hat: Marc-Uwe Kling erzählt hier auf sehr humorvolle Weise und mit vielen Anspielungen von vier Persönlichkeiten - einem Einhorn, einem Waschbären, einem Hund und einer Prinzessin - die nicht der Norm entsprechen. Die nicht brav, artig, niedlich, hübsch, wohlerzogen sind, sondern aus der Reihe tanzen. Ja, es geht ums Bockigsein, es geht aber auch darum, wie man seinen Platz in einer Gemeinschaft findet. Obendrein räumt Marc-Uwe Kling hier auch mit all den quietschrosafarbenen Klischees auf. Mit flauschigen Wolken, niedlichen Engeln, fluffigen Einhörnern. Er hält uns Erwachsenen ein Spiegel vor und macht deutlich, dass wir vielleicht manchmal über den Tellerrand blicken sollten.

Ganz anders dagegen ist die zweite Geschichte. „Der Tag an dem der Opa den Wasserkocher auf den Herd gestellt hat“. Das klingt irgendwie vertraut? In der Tat ist es die Fortsetzung zu „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“. Oder sollte man sagen, es ist die Retourkutsche? Doch für wen? Dass nicht immer nur Omas schusselig sind und etwas kaputt machen? Oder für den Opa, der zwischendurch manchen bissigen Kommentar in Richtung Oma loslässt? Nun, es bleibt wohl dem Hörer selbst überlassen, sich festzulegen. Auf jeden Fall mangelt es hier nicht an Seitenhieben - und die gehen in alle Richtungen. Trotzdem muss man gestehen, dass diese Fortsetzung, diese Weiterführung bei weitem nicht an die Oma-Internet-Geschichte herankommt. Teilweise wirkt das Setting zu konstruiert, manche Szenen zu sehr erzwungen und künstlich in die Länge gezogen. Auch gibt die Geschichte selbst nicht wirklich viel her: Der Opa stellt den Plastik-Wasserkocher im Retrodesign auf den Herd. Dass das nicht gut geht, ist uns allen klar und der Rest drum herum ein Geplänkel der Figuren untereinander. Dennoch bringen die Wortspiele, Andeutungen und Doppeldeutigkeiten die Hörer/-innen immer wieder zum Schmunzeln und Lachen. Betrachten wir diese zweite Geschichte einfach als Zugabe zum NEINhorn, für das sich die Anschaffung auf jeden Fall lohnt.

Marc-Uwe Kling lässt uns mit diesem Hörbuch ein weiteres Mal in den Genuss des so herzigen NEINhorns kommen. Dabei sind es nicht nur die humorvollen Geschichten, die mit ihren Anspielungen und ihren Wortwitzen für Unterhaltung sorgen, sondern auch die grandiose Sprecherleistung des Autors selbst, sowie die akzentuierte Platzierung von Musik und Hintergrundgeräuschen. Ein Muss für alle Fans!

Details

Bewertung

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