Sagen des klassischen Altertums

von Gustav Schwab
Rezension von Stefan Cernohuby | 25. August 2019

Sagen des klassischen Altertums

Bestimmte Werke der Literatur sollte man in jedem Haushalt haben. Denn manche verbinden Geschichte, Überlieferung und phantastische Literatur. Ein Beispiel dafür sind die „Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab, welcher den meisten Lesern im deutschsprachigen Raum bereits in der Schulzeit begegnet. Bei Magellan sind diese Sagen nun erneut in einem formschönen Hardcover mit Leseband erschienen.

Oft sind es unbedachte Kleinigkeiten und Handlungen, die große Ereignisse in Bewegung setzten. So nimmt auch der Untergang des mächtigen Troja seinen Anfang, als der verliebte Paris Helena, die Ehefrau des griechischen Königs Menelelaos, entführt. Auch wenn es Jahre dauert, bis die beiden Flüchtigen in Troja ankommen und noch länger, bis das Heer von Melelaos und dessen Bruder Agamemnon mit allen Verbündeten vor Troja landet, nimmt der gesamte Krieg so seinen Anfang. Danach entbrennt ein erbarmungsloser Stellvertreterkrieg der Götter, die mal der einen und mal der anderen Seite einen Vorteil verschaffen. Es ist eine Zeit der Helden und großen Taten. Der Trojaner Hektor, der wütende Diomedes, der listenreiche Odysseus und nicht zuletzt der tragische Achilles – sie alle lassen das Geschick in  den Schlachten hin und her wandern. Bis zur größten List des schlauesten Griechen, die für immer in die Geschichte eingehen soll.
Doch das Werk endet nicht mit dem Ende von Troja, auch die Sage um die Heimkehr von Odysseus auf seine Insel Ithaka und zu seiner Frau Penelope findet hier noch Platz.

Beinahe jeder kennt Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“, das man getrost als Standardwerk für die griechischen Sagen der Antike bezeichnen kann. Das ist allerdings ein etwas zweischneidiges Schwert. Denn wer das Werk kennt, weiß auch, dass die ursprüngliche Version aus drei Bänden bestand, die sich zuerst der Mythologie und anderen Gestalten wie Ödipus und Herakles widmete. Der zweite Band bestand aus dem trojanischen Sagenzyklus und der dritte handelte unter anderem vom Odysseus und Äneas. Für den aktuell vorliegenden Band wurden aber nur die Geschichten rund um Troja und Odysseus herangezogen – allerdings ohne das wirklich deutlich hervorzuheben. An den extra und vorsichtig im Werk angeführten sprachlichen Modernisierungen von Dorothea von der Höh gibt es nichts auszusetzen – an den gelegentlichen Verzicht auf den Eigennamen von Gruppen, hin zu allgemeinen Formulierungen gewöhnt man sich schnell, denn letztendlich macht dieser das Sprachbild dynamischer und weniger auf die handelnden Gruppen fokussiert.
Trotzdem fragt man sich, ob es eine weise Entscheidung war, einen größeren Teil des Sagenzyklus einfach beiseite zu lassen und dennoch den bekannten Titel beizubehalten. Die Abbildung eines Trojanischen Pferds auf dem Cover allein ist noch nicht aussagekräftig genug. Außer man interpretiert es so, dass man nicht genau das vorfindet, was man beim Kauf glaubt und doch andere Inhalte erhält.

„Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab ist ein Werk, das sich seit über 150 Jahren unverändert gut verkauft. Nachdem die Sprache schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, kann eine behutsame Adaption, wie in diesem Fall vorliegt, durchaus empfehlenswert sein. Leider wurden aber beim vorliegenden Band nur einige Teile des gesamten Sagenzyklus verwendet, wobei dies vor einem eventuellen Kauf des Buchs nicht deutlich ersichtlich ist. Obwohl an der Qualität des enthaltenen Texts und natürlich den Sagen von Gustav Schwab absolut nichts auszusetzen ist, schmälert das den Gesamteindruck.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Erschienen:
    07/2019
  • Umfang:
    688 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    12 Jahre
  • ISBN 13:
    9783734855009
  • Preis:
    14,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:

Könnte Ihnen auch gefallen: