Niemandsland


Erinnerungen an eine Kindheit
von Matthias Friedrich Muecke
Rezension von Janett Cernohuby | 25. September 2019

Niemandsland

Wie war das Leben in der DDR? - Auf diese Frage möchte man Antworten über ein totalitäres Regime hören, das bereits im Kindergarten mit der politischen Erziehung begonnen hat. Man möchte von Linientreuen hören oder von Oppositionellen, von Menschen die so unglücklich waren, dass sie nur die Flucht als Ausweg sahen. Doch das ist ein einseitiges Bild. Dazwischen gab es ganz viele andere Schichten, ganz viele andere Menschen, die sich mit dem Leben arrangierten und die es trotz der Gegebenheiten schön fanden. Von einem solchen „dazwischen“ erzählt der Berliner Autor Matthias Friedrich Muecke in seinem Buch „Niemandsland“.

Eine Kindheit in Pankow

Eine verzweifelte Mutter, deren Baby Tag und Nacht schreit. Eine mitfühlende Nachbarin, die ihr Baby zu dem kleinen Schreihals legt. Der Beginn einer Freundschaft.
Die beiden Jungs toben durch Hinterhöfe, werden zu Blutsbrüdern, hauen aus dem Kindergarten ab, erobern das Pankower Freibad und rennen als Frauen verkleidet am Staatsfeiertag durch die Straßen. Mehr als einmal bringen ihnen ihre Lausbubenstreiche Ärger ein, doch das kümmert sie nicht. Das gegebene Indianerehrenwort macht sie zu unzertrennlichen Freunden, die gemeinsam durch dick und dünn gehen und die zu aufmüpfigen Teenagern werden. Doch ihre Abenteuerlust wird ihnen zum Verhängnis und eine Katastrophe bahnt sich an.

Niemandsland

Erinnerungen an eine Kindheit in der DDR

Kindheit in der DDR hieß nicht nur lernen, zum Fahnenapell antreten und Altpapier sammeln. Kindheit in der DDR hieß ebenso Spaß, Abenteuer und Freundschaft. In seinem Buch lässt uns Matthias Friedrich Muecke an seinen Kindheitserinnerungen teilhaben. Episodenhaft erzählt er vom Aufwachsen in Pankow, zwischen liebevoller Mutter und gewalttätigem Vater, der Engstirnigkeit des Systems und unzertrennlicher Freundschaft. Seine fragmentarisch zusammengefügten Erinnerungen mögen wenig literarisch sein, doch bestechen sie durch ihre Authentizität. Sie erzählen vom Alltag in der DDR, zeigen uns, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß gab, nicht nur Regimetreue oder Regimegegner. Nein, dazwischen gab es ganz viel grau: Menschen, die politisch nicht aneckten und ganz gut leben konnten.

Niemandsland

Alles das spiegelt sich auch in seinen Illustrationen wider, die das Buch begleiten. Große, manchmal seitenfüllende Schwarzweiß-Zeichnungen mit ganz vielen Graustufen dazwischen zeigen uns, wie das Leben in der DDR aussah. Detailgetreu gewähren sie den Blick in eine Kindheit zwischen Hinterhöfen, Freibad, Schule und Todesstreifen. Sie sind atmosphärisch, melancholisch, skurril und lassen Vergangenes noch einmal lebendig werden. Sie geben exakt das wieder, wovon die kurzen Kapitel erzählen, bringen aber die Tiefe mit, die dem Text manchmal fehlt.

Niemandsland

In seinem Buch „Niemandsland“ erzählt Matthias Friedrich Muecke von seiner Kindheit in der DDR. Unpolitisch und mit dem manchmal naiven, oft frechen und stets unbekümmerten Ton eines Kindes lässt er eine vergangene Epoche noch einmal auferstehen und die Leserschaft daran teilhaben.

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