Anschlag von rechts

von Reiner Engelmann
Rezension von Daniela Steinbach | 20. Juni 2017

Anschlag von rechts

Mit „Anschlag von rechts“ beschreibt Reiner Engelmann den Zeitgeist mancher Teile des heutigen Europas ganz gut. Dabei ist der Inhalt alles andere als positiv und rosig, sondern befasst sich mit der aktuellen und gefühlt stärker werdenden rechten Szene rund um die Flüchtlingssituation in Deutschland.

In P., einem Ort in Deutschland, landen mehrere Personen, über deren Fluchtwege aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe in Teil eins des Buches erzählt wird. Laut Vorwort handelt es sich hier, so wie auch beim Rest des Buches, um wahre Begebenheiten. Nachdem die Personen in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden und sich langsam eingelebt haben, geschieht ein hinterhältiger Anschlag auf das Zimmer eines Kindes, das aus Afrika nach Deutschland geflüchtet ist. Die Täter, die allesamt in der rechten Ecke zu finden sind, nämlich Robert Mühlhaus, Matthias Schmitt und Beate Burg sowie die Mütter der drei Personen, werden eingehend zur Tat befragt, um in Teil drei des Werkes einen Prozess sowie ein Urteil zu erhalten. Die Sicht auf die angegriffene Personengruppe wird ebenso wenig verhüllt wie die auf das Umfeld der Freunde, die sich immer wieder auf den Alkoholeinfluss berufen, unter dem sie die Tat, ein Molotow-Cocktail ins Fenster der Flüchtlingsunterkunft zu werfen, ausgeführt haben. Im Epilog wird beschrieben, wie die Personen der Unterkunft in P. einige Monate nach der Tat leben. Darüber hinaus wird ein Blick auf die Verurteilten und deren Umfeld geworfen.

Eine schreckliche, hinterlistige und feindselige Tat wurde in P. begangen und leider ist dieses Buch keine reine Fiktion, sondern beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich auch leicht im Internet finden lässt. Und nicht nur dieser Fall wird aufgelistet. Wenn man eine Suchmaschine dazu befragt, findet man gleich mehrere Artikel über gegen Flüchtlingsheime geworfene Molotow-Cocktails. Die Debatte um den Rechtsextremismus, beziehungsweise über eine Rechtswende in vielen europäischen Ländern, hat gerade erst wieder begonnen und dieses Buch klärt die jugendlichen LeserInnen darüber auf, welche Symbole oder welche Musikgruppen dieser Ideologie zuzuordnen sind. Aufklärung steht im Vordergrund, aber auch die Frage nach dem Warum. Einerseits wird versucht, die Gründe für Menschen, die nicht ganz freiwillig aus ihrem Heimatland weggehen, aufzuzeigen, andererseits auch nach Beweggründen für die Tat gesucht. Sofort fällt der Blick auf den Alkohol, doch bei genauerem Hinsehen findet man sehr wohl Aussagen, die auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund hindeuten. Die persönlichen Geschichten werden gut skizziert und auch der Brandanschlag kann verbildlicht werden, allerdings wäre mehr Tiefgang für das Jugendbuch, aufgrund des doch komplexen Themas, wünschenswert gewesen.

„Anschlag von rechts“ ist ein empfehlenswertes und solides Buch, welches nicht nur von Jugendlichen ab 13 Jahren gelesen werden kann. Es rüttelt auf, schockiert, ist traurig und hoffnungsvoll zugleich. Es motiviert dazu, sich mit den Themen Flucht und Rechtsextremismus auseinanderzusetzen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    05/2017
  • Umfang:
    192 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    13 Jahre
  • ISBN 13:
    9783570174371
  • Preis:
    14,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:

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