Hidden Worlds

Der Kompass im Nebel

von Mikkel Robrahn
Rezension von Stefan Cernohuby | 29. August 2020

Der Kompass im Nebel

Wäre es einfach, verlorene Dinge zu finden, gäbe es weder Schatzsucher noch Archäologen. Und selbst in Welten voller Magie sind nicht alle Orte bekannt und alle Tore durchschreitbar. Davon handelt auch der erste Band der Reihe „Hidden Worlds“ von Mikkel Robrahn, welcher den Titel „Der Kompass im Nebel“ trägt. Denn jene Nebel, um die es geht, sind literarisch wohlbekannt, doch nicht so einfach zu durchqueren.

Elliot Craig hat einen arbeitslosen Vater, wohnt in einem heruntergekommenen Haus und hat einen miesen Job – zumindest am Anfang, denn diesen verliert er sehr schnell. Und ohne einen Job sieht es hinsichtlich ihrer Wohnstatt sehr düster aus. Sein Vater kämpft sich immerhin soweit aus seiner Lethargie heraus, um seinen Sohn zu einem alten Bekannten zu schicken, der einen Job für ihn hat. Aus Edinburgh geht es auf magische Weise in die Highlands, wo sich das sogenannte Merlin-Center befindet. Ein Kaufhaus für das Übernatürliche und ein Heim für die letzten magischen Wesen in der Welt. Denn das Tor zu Avalon, wo alles lebt, was wahre Magie zu wirken vermag, ist seit langer Zeit verschlossen. Elliot, der nie zuvor mit Übernatürlichem in Kontakt gekommen ist, soll mit Gerry zusammenarbeiten, einem Buffalomen, und sich um beinahe ausgestorbene magische Tiere kümmern. Zwar lernt Elliot sich zunehmend in der fremden Welt zurechtzufinden, erfährt dabei aber auch unweigerlich mehr über seine Familie, die mit dem Merlin-Center eine Menge zu tun hatte. Und schließlich erfährt er auch mehr über das Verschwinden seiner Mutter, was alles verändert, was er bisher zu wissen geglaubt hatte. Zum Glück lernt er die junge Elfe Soleil kennen, die ihn bei seinen Nachforschungen unterstützt und sich dabei gemeinsam mit ihm in große Gefahr begibt.

Manche Geschichten scheinen sich selbstständig zu machen. Denn auch wenn ein Einkaufszentrum für magische Gegenstände genügend Stoff für viele Geschichten geboten hätte, scheinen die Charaktere hier eigene Pläne zu haben. Das verschwundene Avalon rückt immer mehr ins Zentrum der Handlung und die Familie Elliots spielt dabei eine gewichtige Rolle. So entwickelt sich die Geschichte immer weiter davon weg, was man erwartet, was auch die Charaktere betrifft. Glaubt man zu Beginn noch einige Ähnlichkeiten zu einer bekannten Reihe über einen Zauberlehrling zu erkennen, legt die Handlung etwas später einen Schwenk ein, der gewisse Prallelen schnell unterbindet. Das macht die Handlung aber nicht weniger phantastisch oder unterhaltsam. Für einen Erstling ist das Werk sehr gut durchdacht, bereitet die Bühne für weitere Werke und schafft auch gekonnt die Gratwanderung zwischen Young-Adult und All-Age. Somit kann man den Roman tatsächlich sowohl begeisterten jungen Lesern empfehlen, wie auch Erwachsenen. Seinen Spitznamen „Mikkel machts“ scheint sich der Youtube-Channel-Betreiber Mikkel Robrahn tatsächlich redlich verdient zu haben.

„Der Kompass im Nebel“ ist der erste Teil der Reihe „Hidden Worlds“ von Mikkel Robrahn. Ein magisches Einkaufszentrum, fremdartige Wesen, eine unbekannte Vergangenheit und der verlorene Zugang zum Reich von Avalon sind zentrale Bestandteile der Handlung, die aber noch darüber hinausgeht. Und auch wenn sich die Geschichte ein wenig selbstständig zu machen scheint, ist das Endergebnis ein Buch, das sowohl jungen wie auch erwachsenen Lesern zu gefallen weiß. Man darf gespannt sein, wie sich die Welt in weiteren Romanen entwickeln wird.

Details

Bewertung

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