Jakob

Mag ich nicht, ess ich nicht!, sagt Jakob

von Sandra Grimm, Peter Friedl (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 18. September 2016

Mag ich nicht, ess ich nicht!, sagt Jakob

Das Thema Essen kann für Eltern mit Kleinkindern oft zur Zerreißprobe werden. Besonders dann, wenn das Kind sehr heikel ist und viele Lebensmittel ablehnt, ohne sie probiert zu haben. Die Essensgewohnheiten kann man zum Glück formen. Besonders gut geht das, wenn das Kinder Vorbilder hat, von denen es gerne etwas annimmt. Kinderbuchhelden können solche Vorbilder sein, wie etwa Jakob, der kleine Bruder von Conni. "Mag ich nicht, ess ich nicht", war auch lange Zeit sein Credo.

Im Kindergarten wird gerade das Frühstück hergerichtet und Jakob schnappt sich gleich ein Stück Gurke. Die mag er gerne. Weniger gern mag er dagegen Tomaten, denn die schmecken ihm gar nicht. Auch zuhause hat er seine Vorlieben, was er gerne als Snack zwischendurch essen möchte. Als Papa ihm eine Tomate anbietet, beißt Jakob ganz schnell von der Banane ab. So hat er eine tolle Ausrede, warum er die Tomate nicht kosten kann. Da hat Papa einen tollen Einfall, wie er Jakob doch auf den Geschmack bringen kann.

"Was soll ich heute nur kochen", ist manchmal eine völlig verzweifelte Überlegung vieler Eltern. Wenn ihre Jüngsten bestimmen könnten, würde es täglich wohl nur Nudeln, Reis oder Pommes geben. Doch spätestens wenn sich die erste Erbse oder Karotte auf den Teller verirrt, ist das Geschrei groß. Da hilft nur Geduld und mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn Kinder sehen, dass uns bestimmte Dinge gut schmecken, werden sie eher bereit dazu sein, selbst auch einmal zu probieren. Jakobs Vater bedient sich in der Geschichte eines kleinen Tricks. Er schlägt seinem Sohn vor, dass sie jeweils vom Essen des anderen kosten. Plötzlich schmecken Jakob die Tomaten doch ganz gut - seinem Vater hingegen die Banane nicht. Das ist in Ordnung, denn wenigstens hat er zuvor probiert. Eine klare Botschaft, die das Buch an dieser Stelle vermittelt.
Die Geschichte greift ein ganz klassisches Alltagsthema von Kindern auf und zeigt es in den verschiedenen Aspekten: das gemeinsame Essen im Kindergarten, den Einkauf und die unterschiedlichen Interessen beim Einkaufen von Eltern und Kindern sowie das Essen im Kreise der Familie. Sandra Grimm erzählt mit einfachen Worten und klarer Sprache. Sie begegnet Kindern auf Augenhöhe und schildert die Ereignisse genauso, wie sie diese wahrnehmen. Daher fällt es ihnen leicht, sich auf Jakobs Geschichte einzulassen und sich mit dem Jungen zu identifizieren. Vielleicht ermutigt sie das Buch sogar, doch auch einmal etwas von dem zu probieren, was sie sonst kategorisch ablehnen.
Begleitet wird die Geschichte nicht nur von bunten und fröhlichen Illustrationen, das Buch bietet obendrein auch Klappen, hinter denen es etwas Lustiges zu entdecken gibt.
Nur in einem Punkt konnten wir der Autorin nicht folgen. In der Einkaufsszene fragt Jakob seinen Vater "Darf ich Schokolade zum Abendbrot". - Was, fragt man sich beim Lesen. Klar ist es eine ganz typische Ausdrucksweise bei Kindern, dass sie einfach das Verb weglassen. Mama oder Papa verstehen sie ja sowieso. Aber, wem nicht nur die Ernährung seiner Kinder wichtig ist, sondern auch die sprachliche Entwicklung, der korrigiert diesen Satz bei seinen Jüngsten. Von daher hätte das entweder auch im Buch geschehen oder von vornherein korrekt geschrieben werden sollen. Aber so ist es ein Zeichen an Kinder, dass sie Sätze nicht richtig formulieren brauchen. Jakob, ihr Held und Vorbild, macht es ja auch nicht.

"Mag ich nicht, ess ich nicht!, sagt Jakob" ist ein Pappbilderbuch für Kinder ab 18 Monaten, das das Thema Nahrungsmittel aufgreift. Es zeigt auf unterhaltsame und spielerische Weise, dass man ruhig alles probieren sollte, was Mama und Papa anbieten. Vielleicht ist ja etwas dabei, was einem sogar richtig gut schmeckt? Ein schönes Buch und wenn man den Patzer in Jakobs Ausdrucksform beim Vorlesen verbessert, können Kinder sich hieran sogar ein Beispiel nehmen.

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