ALLES hört auf MICH!

von Bernd Killinger, Thomas Raif (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 10. November 2015

ALLES hört auf MICH!

Im Alter von ungefähr drei Jahren beginnen Kinder mit dem Rollenspiel. Dabei schlüpfen sie in die Rollen Erwachsener und spielen Mama, Papa, Einkaufen und manches mehr. Ein sehr beliebtes Spiel unter Kindern ist vor allem das "Bestimmer"-Spiel. Das Duo Bernd Killinger und Thomas Raif brachten zu diesem Thema ihr erstes gemeinsames Bilderbuch heraus: "ALLES hört auf MICH! Das Bestimmer-Buch".

Fernab vom Mainstream präsentieren sie uns ein ungewöhnliches Buch. Ein Kind spielt sein Lieblingsspiel: Bestimmer. Dafür schlüpft es in verschiedene Rollen. Mal ist es König, macht Gesetze und herrscht über seine Untertanen. Ein anderes Mal ist es Handwerksmeister und leitet einen Betrieb. Dann wieder ist es Kapitän, der mit seinem Schiff über die Ozeane segelt; es ist Pirat, Schrecken der Sieben Meere und Indianer-Häuptling, Bestimmer in seinem Stammesgebiet. Es ist Kommandeur, Richter, Vorstand, Bürgermeister, Feuerwehrkommandant. Doch am Abend, wenn das Spiel vorbei ist, ist es einfach nur ein ganz normales Kind.

Rollenspiele sind wichtig für die Entwicklung von Kindern. Sie ermöglichen es ihnen, Fragen nach der eigenen Identität zu beantworten. Wer ist man, wer möchte man sein und wie fühlt es sich an, jemand anderes zu sein? Dafür schlüpfen Kinder in die Rollen von anderen - Eltern, Ärzten, Königen, Piraten - und leben diese so aus, wie sie wahrgenommen werden. Sie lernen, sich mit der Welt der Erwachsenen auseinanderzusetzen, verarbeiten Erlebnisse und Ängste, können Konflikte ausleben und bearbeiten, fördern ihre Sprach- und Ausdrucksfähigkeit und üben das Sozialverhalten. Das Bestimmer-Spiel greift diese Punkte auf. Bei einem Spiel das Sagen zu haben, derjenige zu sein, der den Ton angibt, ist dabei natürlich das Größte. Doch Kinder müssen auch lernen, dass jeder Bestimmer sein Zepter abgeben, an jemanden anderen weiterreichen muss. Diese und weitere Spielregeln finden sich im Buch, sind jedoch nicht sein zentraler Bestandteil. Dieser besteht vielmehr aus der Charakterbeschreibung der unterschiedlichen Rollen. Sie erklären in einfachen und wenigen Worten, was den jeweiligen Bestimmer ausmacht, was seine Aufgaben sind und - als kleines Extra - nennt der Autor auch die englische Bezeichnung der jeweiligen Rolle. Diesen Aspekt brachte Bernd Killinger ein, da er mit seinen Kindern nur Englisch spricht und diese auch im Spiel mit ihren Freunden gerne englische Begriffe verwenden.
Man kann das Bilderbuch als Spieler-Handbuch für Kinder bezeichnen. In ihm werden die unterschiedlichen Charaktere erklärt und erläutert, wie die Spielregeln lauten. Letztere sind dabei allerdings sehr oberflächlich geraten. Und darin liegt auch die Schwäche des Buches. Es werden zwar einfache Spielregeln erklärt, doch diese sind zu ungenau. Hier hätte man sich von Elternseite mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Warum ist dieses Spiel so beliebt bei Kindern? Was lernen sie daraus, was spielen sie nach? Ist es ein Spiel, das man fördern sollte und in welche Richtung? Welches soziale Verhalten wird hier nachempfunden? Warum entscheiden sich Kinder für welche Vorbilder? Woher stammen diese Vorbilder? Wie reagiere ich, wenn ein Kind immer nur bestimmen will und nicht bereit ist, anderen einmal diese Rolle zu überlassen? Diese Hintergrundinformationen fehlen dem Buch. Das ist schade, würden sie doch das Arbeiten mit ihm insbesondere für Eltern erleichtern.

"ALLES hört auf MICH! Das Bestimmer-Buch" ist ein etwas anderes Buch über ein Rollenspiel, das alle Kinder kennen und spielen. Im Alter von fünf Jahren wird in jeder Familie irgendwann das Wort "Bestimmer" fallen. Dieses Bilderbuch zeigt Kindern und Eltern Rollen, die man spielen kann und beschreibt, wodurch sich diese auszeichnen. Allerdings fehlt dem Buch ein ausführlicher Elternteil, der mehr Informationen gibt, als der vorhandene. Etwas, das sich sicherlich viele potentielle Leser wünschen würden.

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