Im Rollstuhl nach Florenz oder Wie wir die Mona Lisa zum Lächeln brachten

von Verena Freund
Rezension von Janett Cernohuby | 24. März 2016

Im Rollstuhl nach Florenz oder Wie wir die Mona Lisa zum Lächeln brachten

In unserer modernen Welt haben Menschen mit körperlichen Einschränkungen, also Behinderung, weinig Platz. Warum eigentlich? Warum denken wir, dass ein Mensch im Rollstuhl nicht auch ein großartiges Abenteuer erleben kann? Weil es Barrieren gibt, über die er nicht hinwegkommt? Irrtum, denn die Barrieren existieren nur in unseren Köpfen. Davon erzählt Verena Freund in ihrem ersten Kinderbuch "Im Rollstuhl nach Florenz", welches im Stachelbart Verlag erschienen ist.

Die dreizehnjährige Sophie ist klug, wissensdurstig und sitzt im Rollstuhl. Banale Dinge des Alltags, wie Treppensteigen oder Ankleiden, werden für sie zu großen Hindernissen. Zum Glück hat sie ihre Freundin und Cousine Marieke zur Seite, die ihr in vielen Situationen hilft. Auch in diesem Jahr verbringen die beiden Mädchen die Sommerferien bei ihren Großeltern. Opa Karl ist ein Tüftler und Erfinder. Sein großes Vorbild ist der berühmte Italiener Leonardo da Vinci. Er bewundert dessen Arbeit und Genie und würde den großen Meister nur zu gerne einmal treffen. Um das zu erreichen, baut er in seiner Werkstatt ein Histobike - ein Fahrzeug mit dem man durch die Zeit reisen kann. In diesem Sommer ist es endlich fertig geworden und zusammen mit Sophie und Marieke tritt er eine Reise in das Florenz des Jahres 1506 an. Hier lernen die drei nicht nur den großen Künstler kennen, sondern Sophie erfährt auch, dass ihre Behinderung sie nicht daran hindert, ein großartiges Abenteuer zu erleben.

Verena Freud schreibt nicht einfach nur ein Kinderbuch über Abenteuer und Zeitreisen, sie schreibt ein Kinderbuch mit einer ganz besonderen Protagonistin. Denn diese sitzt im Rollstuhl. Mit dieser kleinen Heldin thematisiert Verena Freund Inklusion und Behinderung. Die Autorin hat sich nicht ohne Grund für diese Thematik entschieden. Auch sie hat eine behinderte Cousine, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Es gibt also Parallelen zwischen Geschichte und Autorin. Das spürt man beim Lesen. Die Handlung ist nicht nur spannend, sie ist vor allem echt. Verena Freund beschreibt Gedanken und Gefühle von Sophie sehr intensiv und glaubwürdig. Man kann sich in das Mädchen hineinversetzen, ihre Ängste verstehen und nachvollziehen. Gleichzeitig möchte man ihr aber auch sagen, dass sie sich nicht schämen und verstecken muss. Im Gegenteil. Sie soll den Alltag erhobenen bestreiten und allen zeigen, was sie draufhat.
Das Abenteuer, die Zeitreise, ist nur Nebenhandlung. Im Mittelpunkt steht Sophie mit ihrem Anderssein. Dieses bezieht sich jedoch nur auf den Umstand, dass sie nicht gehen kann und im Rollstuhl sitzt. Verena Freund zeigt auch, wie kleine alltägliche Dinge, die uns leicht fallen, Sophie vor große Herausforderungen stellen. Gleichzeitig ist sie voller Selbstzweifel, was nicht zuletzt durch die Anfeindungen und Beleidigungen kommt, denen sie nur allzu oft ausgesetzt ist. Opa Karl will ihr zu mehr Selbstvertrauen verhelfen, indem er mit ihr auf Zeitreise geht. Die erste Reise mit dem sogenannten Histobike führt sie erst einmal nur wenige Tage zurück, zu einer Situation als Sophie in einem Kaufhaus von ein paar Jugendlichen angepöbelt wurde. Damit will der Großvater ihr zeigen, dass sie solche Angriffe nicht still über sich gehen lassen, sondern sich verteidigen soll. Die Botschaft kommt bei Sophie an und so können sie ihre zweite, eigentliche Reise zu da Vinci antreten. Dies ist ein heikles Unterfangen, wurden Menschen mit Behinderungen in vergangenen Epochen noch viel mehr ausgegrenzt. Doch da Vinci, der das Ziel der Zeitreise ist, ist nicht nur ein großes Genie, sondern auch ein weltoffener Mensch. Und so zeigt er Sophie, dass sie gerade aufgrund ihrer Behinderung etwas ganz Besonderes ist. Das stärkt das Mädchen und gibt ihr Zuversicht.
Dieses Selbstvertrauen will Autorin Verena Freund durch ihr Buch allen behinderten Kindern mit auf den Weg geben. Doch nicht nur sie, auch gesunde Kinder sind ihr Publikum. Ihnen will sie zeigen, dass behinderte Menschen zwar anders sind, aber nicht ausgegrenzt werden dürfen.

"Im Rollstuhl nach Florenz oder Wie wir die Mona Lisa zum Lächeln brachten" ist eine gefühlvolle und ergreifende Geschichte über ein junges Mädchen im Rollstuhl. Dieses erlebt trotz ihrer Behinderung ein großartiges Abenteuer, reist durch die Zeit und lernt den wohl größten Künstler und Erfinder der Menschheit kennen. Ein wunderschönes Kinderbuch, das Brücken schlägt und sich für mehr Inklusion ausspricht.

Details

  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2016
  • Umfang:
    125 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Altersempfehlung:
    10 Jahre
  • ISBN 13:
    9783945648032
  • Preis:
    14,90 €

Bewertung

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