Grimm


Die illustrierten Märchen der Brüder Grimm
von Brüder Grimm
Rezension von Janett Cernohuby | 20. April 2017

Grimm

Die Märchen der Brüder Grimm sind ein zeitloses Kulturgut, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Immer wieder werden die alten Märchen neu nacherzählt, sprachlich in unsere Zeit geholt und überarbeitet, so dass auch Kinder sie bedenkenlos anhören können. Dabei geht ihre klassische Form aber nicht verloren, denn auch diese wird nach wie vor gedruckt und somit für Leser bewahrt, denen die neuerzählten Fassungen weniger gefallen. Bei den Kleinen Gestalten ist ein illustrierter Band mit einer Auswahl der schönsten, aber auch einigen seltenen Grimm'schen Märchen erschienen.

Eine Welt voller Magie und Zauber

Während oftmals etwas abschätzig auf die Verfasser phantastischer Werke geblickt wird, vergessen viele jener Kritiker, dass auch die Brüder Grimm nichts anderes taten, als sich tief in eine fabelhafte Welt zu begeben. Eine Welt, in der Hexen Kinder essen wollen, in der Tiere sprechen können, böse Stiefmütter ihre Töchter quälen und ihnen sogar nach dem Leben trachten. Eine Welt, in der man das Glück greifen kann, ein Tisch, ein Esel und ein Sack zum wertvollsten Geschenk werden können und eitle Prinzen zur Läuterung in hässliche Tiere verwandelt werden. Die Märchen der Brüder Grimm erzählen Fabelhaftes und Unmögliches, enthalten aber auch immer eine Lektion.

Ein besonderes Märchenbuch

Zwanzig dieser Märchen wurden im vorliegenden Band vereint und in ihrer klassischen Erzählweise abgedruckt. Darunter finden sich beliebte Märchen wie "Der Froschkönig", "Schneewittchen" und "Aschenputtel" aber auch weniger bekannte wie "Daumesdick" oder "Gevatter Tod".
Was dieses Buch von zahlreichen anderen Märchenbüchern unterscheidet, ist nicht seine Zusammenstellung der Erzählungen, sondern die Aufbereitung seiner Illustrationen. Zwanzig ganz unterschiedliche Künstler ergänzten die Märchen mit ihren ganz eigenen, persönlichen Zeichenstilen. Sie gaben ihnen ein neues Aussehen und holten sie durch ihren Pinselstrich  in unsere Zeit. Kein Stil gleicht dem anderen, wenngleich manche ähnliche Ansätze haben. Das macht dieses Märchenbuch in der Tat zu einer bunten, abwechslungsreichen literarischen Reise.
Besonders beeindruckend sind dabei die Illustrationen zum "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" gelungen. Die Bilder erinnern an Scherenschnitte, wodurch die Bedeutung dieses Märchens, die Handlung und vor allem die schaurige Stimmung noch viel beeindruckender auf den Leser wirken.
Wie ein Manga muten dagegen die Bilder von "Dornröschen" an. Die zarten, anmutigen Figuren mit ihren großen Augen wirken zauberhaft in diesem verträumten Märchen. Auch "Rapunzel" ist sehr atmosphärisch und wunderbar illustriert. So finden sich in allen Märchen einzigartige Bilder, die zu Betrachten mitunter vom Lesen des Textes ablenken. Ihre Stimmung, ihre Aussage fangen den Blick ein und lassen sie zu etwas besonderem werden. Doch nicht alle Illustrationen überzeugen. Manche wirken grotesk, comicähnlich und mitunter zu modern.
Das Märchenbuch wird verlagsseitig für Kinder ab vier Jahren empfohlen. Hiervon müssen wir allerdings abraten. Die Illustrationen verstören Kinder teilweise, allen voran beim "Wolf und die sieben Geißlein". Dabei ist es weniger sein Elvis-ähnliches Aussehen des Wolfs, als vielmehr die doch für Kinder brutale Szene, in der dem Wolf der Bauch aufgeschnitten wird und ihm die Geißlein eine Ladung Zement einfüllen - während Mutter Geiß Zigarette rauchend danebensteht. Aber wenigstens stilvoll mit Zigarettenspitze. Auch in anderen Märchen gibt es Illustrationen, die auf Kinder beängstigend wirken - der Wolf in "Daumesdick", der Tod in "Gevatter Tod" oder Rotkäppchen und Großmutter als Skelette im Magen des Wolfes. Für Kinder ab vier Jahren sind diese Illustrationen definitiv nicht geeignet. Hier sollte man die Altersempfehlung auf zehn Jahre erhöhen.

"Grimm. Die Illustrierten Märchen der Brüder Grimm" ist ein imposantes Märchenbuch der beiden bekanntesten Märchenerzähler, das weniger durch die Auswahl der Erzählungen begeistert, als durch ihre künstlerisch anspruchsvollen und hochwertigen Illustrationen. Denn sie sind es, die den Blick einfangen und für eine Weile auf sich ruhen lassen, bevor man sich dem eigentlichen Text zuwendet. Dieser ist nicht neu nacherzählt und sprachlich in unsere Zeit geholt, sondern begegnet den Leser auf seine klassische Art. Dadurch wird das Buch allerdings erst für ältere Kinder interessant und lesenswert. Für Erwachsene ist es auf jeden Fall ein literarischer und optischer Genuss.

Details

Bewertung

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