Glatzkopfzeit

von Petra Hillebrand, Peter Guckes (Illustrator)
Rezension von Janett Cernohuby | 18. Mai 2017

Glatzkopfzeit

Die Diagnose Krebs ist immer ein harter Schlag, doch wenn diese Diagnose einem neunjährigen Kind mitgeteilt wird, ist sie um noch einiges furchtbarer. Ein Kind, das eigentlich draußen herumlaufen, mit Freunden spielen und Spaß haben sollte. Petra Hillebrand erzählt in ihrem berührenden Kinderbuch "Glatzkopfzeit" über genau solch ein Mädchen, das tapfer und mutig gegen den Krebs kämpft.

Mit blauen Flecken fing es an

Die neunjährige Jana geht in die dritte Klasse, genau wie Kevin, neben dem sie sitzen muss. Doch Jana und Kevin sind sich spinnefeind. Ständig werfen sie sich Schimpfwörter zu, treten im Wettstreit gegeneinander an und bekommen sich immer wieder in die Haare. Doch dann ändert sich alles. Jana fallen immer häufiger blaue Flecke an Armen und Beinen auf. Ihre Nase beginnt zu bluten und ihr ist oft schwindlig. Erste Untersuchungen beim Arzt lassen Böses erahnen und tatsächlich muss sie schon bald in die Klinik. Diagnose: Leukämie. Jana muss für viele Wochen im Krankenhaus blieben und sich dort auch einer Chemotherapie unterziehen. Doch sie ist nicht allein. Auf der Kinderstation lernt sie Sophie und Max kennen, die ebenfalls an Krebs erkrankt sind. Max geht es sogar noch wesentlich schlechter als den beiden Mädchen, was er ihnen aber lange Zeit verheimlicht. Die drei - aufgrund der Chemotherapie sind ihnen mittlerweile die Haare ausgefallen - freunden sich miteinander an und gründen die Glatzkopf-Piratenbande. Mit ihnen wird es auf der Station nie langweilig. Nachdem die Therapie gut anschlägt und es Jana auch besser geht, darf sie wieder nach Hause. Hier erlebt sie eine Überraschung, denn Kevin ist keineswegs der Stinker, für den sie ihn immer gehalten hat.

Ein schweres Thema, kindgerecht in einer einfühlsamen Geschichte verpackt

Petra Hillebrand hat in ihrem Kinderbuch ein sehr trauriges und ernstes Thema aufgegriffen: Leukämie bei einem Kind. Sie erzählt diese Geschichte aber nicht für Erwachsene, sondern für Kinder im gleichen Alter. Petra Hillebrand nimmt sie bei der Hand und führt sie behutsam und einfühlsam an ein sehr schweres Thema, das leider viel zu viele Kinder betrifft. Sie erzählt von den ersten Anzeichen der Krankheit, von der Zeit der Diagnose und der anstrengenden Behandlung im Krankenhaus. Dabei beschönigt sie nichts, versteht es aber, Kinder behutsam mit dieser harten Realität zu konfrontieren. Sie lässt nichts aus, spricht davon, dass andere Kinder der Krankheit erlagen und bringt vor allem mit Max eine sehr tragische Figur ins Spiel. Denn Max' Zustand ist so schlimm, dass eine Chemotherapie allein bei ihm nicht hilft. Doch - anders als in Romanen für Erwachsene - schafft es Max, die Krankheit zu besiegen und trifft am Ende seine beiden Freundinnen wieder.
Die Autorin zeichnet - sehr kindgerecht - ein sehr lebendiges aber auch erschütterndes Bild von der Zeit im Krankenhaus, der Therapie mit ihren Nebenwirkungen, den Strapazen für den Körper  und dem langsamen Erholungsprozess. Sehr schön an der Geschichte ist, dass Jana am Ende wieder in die Schule gehen kann, für die jungen Leser quasi geheilt ist. Das sendet eine klare Botschaft: Krebs ist heilbar, man muss nur daran glauben und es wollen. Jana will es. Sie will sich wieder mit ihren Freunden treffen, auf dem Spielplatz herumtollen und auf Bäume klettern. Dieser Lebenswille ist es, der die Krankheit letztendlich besiegt.
Das Buch spricht ganz unterschiedliche Zielgruppe an. Offensichtlich natürlich Familien, die einen ähnlichen Schicksalsschlag erlitten haben, ebenso auch Angehörige, Freunde, Schulklassen oder Kindergruppen, die ein an Krebs erkranktes Kind kennen. Ihnen hilft die Geschichte Mut zu finden, Hoffnung zu schöpfen und Zuversicht zu tanken. Schließlich zeigt das Buch, dass zwar eine schwere Zeit vor dem Betroffenen liegt, aber dass es dank der Medikamente wieder besser wird.
Doch auch für Kinder ohne direkten Bezug ist das Buch empfehlenswert. Sie lernen hier eine Krankheit kennen, lesen von anderen Kindern, in deren Leben Angst und Sorge Einzug gehalten haben. So werden sie für ein schweres Thema sensibilisiert und lernen wichtige soziale Kompetenz.

"Glatzkofpzeit" ist ein sehr ergreifendes und gefühlvolles Kinderbuch von Petra Hillebrand zu einem tragischen Thema. Leider ist es ein Thema, von dem viele Kinder betroffen sind. Für sie alle ist dieses Buch. Es gibt ihnen Hoffnung, spendet Trost und zeigt ihnen, dass alles wieder gut werden kann. Wenn sie es selbst es wollen und daran glauben. So wie Jana und ihre beiden Freunde Sophie und Max.

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