Finn macht es anders

Antolin Quiz
von Andrea Liebers, Susanne Göhlich (Illustrator)
Rezension von Janett Cernohuby | 18. September 2017

Finn macht es anders

Der Schulalltag bringt für Kinder manchmal viel Stress und bedrückende Situationen mit sich. Nicht immer trauen sie sich darüber zu sprechen, vor allem wenn es darum geht, dass sie von anderen gehänselt, ja sogar gemobbt werden. Zu groß ist die Scham. Andrea Liebers greift dieses Thema in ihrem Kinderbuch "Finn macht es anders" auf und setzt es wunderbar um.

Eine Mobbinggeschichte mit überraschendem Ende

Seit ein paar Wochen geht Finn mit einem flauen Gefühl im Bauch zur Schule. Und genau wie jeden Morgen warten sie auch heute schon auf ihn: Sven, Max und Paul. Sie kassieren seien Frühstücksdose ein, machen sich über das Ökobrötchen und die Kapuzinerkresseblüten lustig und werfen dann alles in den Dreck. Auch während des Unterrichts hat Paul keine Ruhe vor den dreien. Die anderen Klassenkameraden schauen weg. Sie haben offenbar zu viel Angst, als dass sie Finn helfen. Doch da geschieht etwas Ungewöhnliches. Die Polizei taucht plötzlich im Klassenzimmer auf und beschuldigt Sven, Max und Paul, etwas Schlimmes getan zu haben. Nun ist Finns große Stunde gekommen, denn er weiß genau, wo die drei an diesem Morgen gewesen sind.

Eine Mut machende Geschichte aus dem Schulalltag

Mit ihrem Kinderbuch "Finn macht es anders" erzählt Andrea Liebers eine Schulgeschichte mit einem unerwarteten Ausgang. Sie spricht darin das Thema Mobbing an, das leider immer mehr unter Kindern zunimmt. Sehr lebendig und vor allem einfühlsam schildert sie die Ereignisse aus Sicht von Finn. Um die Geschichte noch emotionaler und glaubhafter werden zu lassen, erzählt sie diese aus der Ich-Perspektive. So gibt sie den Lesern das Gefühl, selbst in Finns Haut zu stecken. Der Weg in die Schule, der Gang über den Schulhof und vor allem das Auflauern der drei Klassenkollegen wird logbuchähnlich und vor allem mit Blick auf die Uhr festgehalten. Man spürt die Angst und Beklemmung und wartet genau wie Finn sehnlichst auf die Erlösung durch das Klingelzeichen. Auch später, im Klassenzimmer, wird eine ähnlich beklemmende Situation noch einmal beschrieben. Doch hier kommt die Wendung, als die Polizisten überraschend das Klassenzimmer betreten. Für Finn ist es ein Moment des doppelten Aufatmens. Nicht nur, weil der unerwartete Besuch so die Schikanen der drei Jungs unterbinden, sondern weil sich plötzlich für Finn die Möglichkeit ergibt, sich aus der Spirale der psychischen Gewalt zu befreien. Aber anders, als man es erwartet. Finn schwärzt seine Klassenkameraden nicht einfach an, er spielt sie mit Freundlichkeit aus und zwingt sie so dazu, ihr Verhalten zu überdenken. Er zeigt Schläue und Reife, indem er sich nicht auf ihr Niveau herablässt. Das führt dazu, dass sie von nun an nicht mehr wagen werden, Finn zu schikanieren.
Begleitet wird die Geschichte von Susanne Göhlichs Illustrationen. Mal großflächig, mal mit kleinen Bildern zeichnete sie sehr stimmungsvolle Bilder. Durch gezielt gesetzte Akzente setzt sie die besondere Gefühlslage der Figuren und die Dramatik der Geschichte toll in Szene.
Das Buch macht Mut und spendet Trost. Klar ist es nur eine Geschichte, die sich wohl kaum im Alltag so wiederholen wird. Doch sie zeigt, wie man Köpfchen Situationen für sich nutzen kann. Es ist ein Buch, das in den Schulunterricht gehört, das man gemeinsam in der Klasse lesen sollte. Es verdeutlicht,, dass Mobbing nichts ist, was in irgendeiner Form gutgeheißen werden kann und dass man nicht wegsehen darf, sondern anderen helfen sollte. Es ist nicht schlimm, wenn man Angst hat, sich den Mobbenden direkt entgegenzustellen, aber es gibt Eltern und Lehrer, denen man sich anvertrauen kann.

"Finn macht es anders" ist eine besondere Schulgeschichte zu einem wichtigen Thema. Spannend, gefühlvoll und mit einem überraschenden Ausgang greift Andrea Liebers in ihr das Thema Mobbing auf. Es ist ein Buch das Mut macht und ein Buch und zeigt, wie man mit etwas Köpfchen weiterkommt.

Details

Bewertung

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