Hexenfee

Antolin Quiz
von Brigitte Minne, Carll Cneut (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 26. April 2017

Hexenfee

Kinder werden stark von ihren Eltern und dem Umfeld geprägt, in dem sie aufwachsen. Meistens passen sie sich diesem auch an, in ihrem Verhalten und in ihrem äußeren Erscheinen. Doch manchmal bricht ein Kind aus diesem Rahmen aus und geht eigene Wege. Davon handelt auch Brigitte Minnes Kinderbuch "Hexenfee", das von Carll Cneut beeindruckend illustriert wurde.

Die Fee, die lieber eine Hexe wäre

Hoch oben in den Wolken liegt ein Luftschloss, in dessen goldenen Türmen Feen leben. Eine dieser Feen ist Rosmarinchen. Rein äußerlich unterscheidet sie nicht von den anderen Feen, doch würde man in sie hineinschauen, bekäme man ein ganz anderes Bild gezeigt. Rosmarinchen will nicht hübsch angezogen, immer gut frisiert, wohlerzogen, lieb und ordentlich sein. Sie will auch mal wild herumtollen, Spaß haben und Dinge ausprobieren dürfen. Da sich das aber für eine Fee nicht gehört, packt sie ihre Koffer und fliegt hinab in den Hexenwald. Denn dort darf sie all das, was sie bei den Feen nicht durfte. Rosmarinchen genießt das in vollen Zügen, doch bald schon merkt sie, dass ihr trotz allem etwas fehlt: ihre Mutter…

Wenn man anders ist

"Hexenfee" ist eine wunderschöne und poetische Geschichte. Es ist aber auch eine Geschichte mit einer ganz klaren und wichtigen Botschaft. Eltern sollen ihren Kindern die Gelegenheit und den Raum geben, sich entfalten zu können. Sein zu können, wie sie möchten, erleben zu dürfen, was ihnen Spaß macht und sie nicht in das Korsett der eigenen Wünsche und Vorstellungen zwingen. Für Kinder lautet die Botschaft ähnlich. Habt Wünsche und Träume, seid ganz ihr selbst und geht euren Weg. Dabei darf man natürlich bestimmte Regeln nicht vergessen und sich über sie hinwegsetzen. Doch das tut auch Rosmarinchen nicht. Mutig und tapfer verwirklicht sie ihren Traum und wächst dabei über sich hinaus. Sie probiert Neues aus, scheitert an manchen Dingen, lässt sich aber dennoch nicht unterkriegen. Sie bleibt sich selbst treu und erfüllt sich ihre Träume. Doch eines kann sie nicht: Ihre Wurzeln und ihre Heimat vergessen. Egal wie aufregend und großartig diese neuen Erfahrungen und das neue Leben sind, sie erinnert sich immer und mit einem Fünkchen Wehmut an ihr altes Leben zurück und hält auch den Kontakt zu ihrer Mutter.
Doch nicht nur Rosmarinchen sehnt sich nach der Mutter, auch umgekehrt. Die Mutter vermisst ihre Tochter, selbst wenn diese nicht hübsch, ordentlich und bezaubernd ist, sondern lebendig, neugierig und ein bisschen schmutzig. So brechen beide aus dem Rollenklischee aus, befreien sich und können nun in beiden Welten leben. Sie haben deren Vorzüge erkannt und genießen sie abwechselnd, mal das hübsche ordentliche Leben in der Wolkenstadt, ein anderes Mal das abenteuerliche Leben im Hexenwald.
Eine solch starke Geschichte braucht auch beeindruckende Illustrationen. Nicht zum ersten Mal greift dafür Carell Cneut zu Stift und Pinsel und zeichnet die Bilder für das Buch. Das tat er bereits 1999. Nun hat er sie neu geschaffen, mit pinkfarbenen Tönen, spitzen rosa Hüten und roten Wangen versehen. Seine Bilder sprechen eine ganz eigene Sprache. Sie sind skurril, charakterstark, fantasievoll und künstlerisch. Gleichzeitig erinnern sie aber auch an ein anderes Buch, in dem mit ähnlichen Zeichnungen ein etwas schaurigeres Märchen erzählt wurde. Es ist einerseits schön, etwas Bekanntes und liebgewonnenes wiederzusehen, andererseits freut man sich doch auch über Neues.

Brigitte Minne erzählt in ihrer Geschichte vom Loslassen überholter Rollenbilder und vom Abstreifen alter Klischees. Gleichzeitig zeigt sie, dass dies aber keine Trennung von Liebgewonnenem sein muss, sondern eher ein Dazugewinnen neuer Erfahrungen. Begleitet wird diese kraftvolle Geschichte von beeindruckenden und fantasievollen Illustrationen Carll Cneut. Beides zusammen ließ ein wunderschönes und kraftvolles Bilderbuch entstehen.

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