Suki und die alten Tanten

von Frauke Angel, Jana Pischang (Illustrator)
Rezension von Janett Cernohuby | 06. Juni 2017

Suki und die alten Tanten

Nicht das Aussehen eines Menschen ist wichtig, sondern seine inneren Werte. Diesen weisen Spruch kennen viele von uns, doch beherzigen wir ihn wirklich immer? Oder erwischen auch wir uns ab und zu, wie wir bestimmtes Aussehen vorverurteilen? "Suki und die alten Tanten" aus dem Stachelbart Verlag ist ein Bilderbuch, das uns zeigen will, dass sich niemand wegen seines Aussehens verstecken muss.

Als Suki kam wurde alles anders

Die Freude ist riesengroß, als Mami die Nachricht überbringt, dass sie ein Baby erwartet. Vor allem die alten Tanten Else, Dörte und Waltraud sind ganz hingerissen. Doch dann kommt der große Schock: Baby Suki sieht zwar ganz niedlich aus, aber sie hat einen Ringelschwanz! Doch abgesehen davon ist sie ganz normal. Dennoch kommen im Kindergarten erste böse Stimmen auf. Ist Suki wohl stubenrein? Ist ihr Vater womöglich ein Schwein? Diese gemeinen Sprüche tun nicht nur weh, Mami beschließt auch, dass sie ihrer Tochter solche Anfeindungen nicht zumuten will. Sie sucht Rat bei Dr. Heilmann, der natürlich sofort eine Lösung parat hat. Der Schwanz muss ab. Die alten Tanten sind empört, ist der Ringelschwanz doch ein ganz besonderes Merkmal von Suki. Damit das auch allen deutlich wird, haben sie eine großartige und originelle Idee…

Vom Anderssein und Akzeptanz

Ein Baby mit einem Ringelschwanz, gibt es das überhaupt? Dies soll nicht die Intention des Bilderbuchs "Suki und die alten Tanten" sein. Wer das wissen möchte, kann ja einmal googeln. Vielmehr geht es hier um ein ganz anderes Thema. Es geht um Aussehen, das nicht der Norm entspricht - um Anderssein und die Akzeptanz desselbigen. Baby Suki wird mit einem kleinen Ringelschwanz geboren, ist aber ansonsten völlig normal. Sie wächst heran, lernt laufen, sprechen und besucht den Kindergarten. Von ihrer Familie wird sie innerhalb kürzester Zeit akzeptiert und selbst die alten Tanten kümmern sich aufopferungsvoll um ihre kleine Nichte. Nur außerhalb der Familie sieht es anders aus. Die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen im Kindergarten. Selbst wenn die Pädagogen hier noch Akzeptanz aufbringen, sind es die Eltern, die früher oder später mit dummen Kommentaren und wilden Gerüchten anfangen. Warum eigentlich? Was ist so schlimm daran, nicht perfekt auszusehen? Ist Suki deswegen weniger liebenswert, weniger niedlich und weniger normal? Was ist das überhaupt, normal? Genau diese Fragen wirft die Geschichte auf. Sie zeigt deutlich und klar, wie wir auf Fehlbildungen (allein das Wort ist bereits sehr negativ behaftet) reagieren, wie wir darüber reden und was wir in dem betroffenen Menschen auslösen. Natürlich kann man in der heutigen Zeit alles wegoperieren, korrigieren und wieder so herrichten, dass es unserem Verständnis von Norm entspricht. Doch ist es das, was der Betroffene und seine Familie will? Ist es das, was wichtig ist und unseren Charakter bestimmt?
Die alten Tanten in der Geschichte zeigen uns, dass es nicht so ist. Alte Tanten. Bereits diese Formulierung steht für Vorurteile, konservatives Gedankengut und Voreingenommenheit. Doch sie sind alles andere als das. Sie sind tolerant, offen und akzeptieren Suki genauso wie sie ist. Ja, sie machen sich ihre Gedanken, aber nicht darüber, wie man Sukis Anderssein verstecken und verheimlichen kann, sondern wie man die anderen dazu bringt, Suki ebenfalls zu akzeptieren, wie sie ist. Dieses Verhalten sollte uns Vorbild sein, uns zu denken geben und unsere Einstellung gegenüber Äußerlichkeiten noch einmal gründlich überdenken lassen.
Kinder sollte man das Buch nicht alleine lesen lassen, dafür ist das Thema zu anspruchsvoll. Doch liest man es mit ihm gemeinsam, spricht darüber und erlaubt ihm, offen und direkt zu fragen, ist es ein wertvoller Beitrag um Akzeptanz und Toleranz zu erlernen.

"Suki und die alten Tanten" ist ein außergewöhnliches Bilderbuch, das uns vor Augen führt, dass Äußerlichkeiten nicht alles sind. Dass wir Menschen nicht aufgrund ihres Aussehens verurteilen und in Schubladen stecken sollen. Es macht uns deutlich, dass man nicht jeden "Schönheitsfehler" wegoperieren sollte, sondern ihn auch akzeptieren kann. Als Teil des eigenen Ichs, als Teil der eigenen Persönlichkeit und als ein Merkmal, das uns einzigartig und besonders macht.

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