Was wir dachten, was wir taten

von Lea-Lina Oppermann
Rezension von Emilia Engel | 17. Juli 2017

Was wir dachten, was wir taten

In einer Situation, in der es um das eigene Überleben und das von anderen geht, entscheidet sich, welche Sorte Mensch man ist. Wird eine Klasse voller pubertierender Schüler, die alle  ihre eigenen Sorgen und Problemen haben, mit einem Amokläufer konfrontiert, ist klar, dass nichts Gutes dabei herauskommen kann. Auch dass die Mischung aus pubertären Hormonen und der Angst zu sterben nicht unbedingt die beste Seite der Jugendlichen zum Vorschein bringt, ist verständlich. Aber nicht jeder macht sich zur Geisel seiner Angst und vielleicht steckt in dem einen oder anderen ja doch ein Held.

Ausnahmesituation. Durch den Lautsprecher klingt die Durchsage, Schüler und Lehrer sollen sich zur Sicherheit in den Klassenräumen einsperren. Dennoch schafft es der Amokläufer sich Zutritt zu einer Klasse zu verschaffen. Bewaffnet ist er mit einer Pistole. Er trägt eine Maske, Kapuze und spricht kein Wort. Bei sich hat er zehn Kuverts. Zehn Dinge, die er von den Schülern in der Klasse möchte. Zehn Geheimnisse, die offenbart werden müssen.

Erzählt wird diese Geschichte von den drei Protagonisten Mark, Fiona und dem Lehrer Herrn Filler.
Mark zählt zum Typ Einzelkämpfer. Er ordnet sich nicht den Coolen in der Klasse unter, sondern versucht sich alleine durchzuschlagen. Zu Hause hat er kein leichtes Leben. Das könnte ein Grund sein, warum  Mark dieser Situation etwas resilienter gegenübersteht als seine Kameraden.
Fiona ist die Musterschülerin der Klasse. Sie versucht ihrer Schwester nachzueifern, die bei allen beliebt ist. Fiona möchte immer das Richtige zu tun. Doch was ist in einer Situation wie dieser das Richtige?
Dann hätten wir da noch Herrn Filler, den Mathematiklehrer. Mit Anfang 30 ist er in den besten Jahren und unterrichtet erst seit seit Kurzem. Doch schon jetzt hat er erkannt, dass er einen ziemlich undankbaren Beruf hat. Herr Filler hat die Dinge gern unter Kontrolle, doch der Amokläufer stellt ihn auf eine harte Probe.
Die Klassentür ist verschlossen, die Pistole ist gezückt. Wie weit werden Schüler und Lehrer gehen, um ihr Leben zu retten? 

“Was wir dachten, was wir taten” ist der Debütroman der 19-jährigen Autorin Lea-Lina Oppermann. Ihr Werk wurde bereits mit dem Hans-im-Glück-Preis - einem Förderpreis für Jugendliteratur - ausgezeichnet.
Schon von der ersten Seite an schafft es die Autorin den Leser mit ihrer Geschichte in den Bann zu ziehen. Spannend erzählt sie aus der Perspektive von Mark, Fiona und Herrn Filler - jeweils abwechselnd in kurzen Kapiteln. Wir haben hier drei komplett verschiedene Persönlichkeiten und man freundet sich bestimmt nicht mit jeder an.
Die Geschichte handelt von den dunklen Geheimnissen jedes einzelnen Schülers, manche harmlos, andere schon heftiger. Teenager sind ja an sich schon nicht einfach, aber Teenager untereinander können schon ziemlich fies zueinander sein. In der Situation des Amoklaufes mischen sich Schadenfreude und Scham gleichermaßen. Man muss sich beim Lesen fragen, was man selbst ohne zu Zögern für das eigene Überleben tun würde. Welche Gefühle würden in einem aufsteigen, wenn einem Mitschüler, den man nicht besonders mag, Leid angetan wird? Es geht um die Abgründe der menschlichen Seele.
Mit seinen knapp 180 Seiten ist das Werk allerdings nicht in der Lage sehr in Tiefe zu gehen. Die Persönlichkeiten werden recht oberflächlich gehalten. Das schadet aber der Spannung nicht. Im Gegenteil - vielleicht hätte eine genauer Ausarbeitung sogar den Lesefluss verlangsamt.
Mit seiner Thematik würde sich das Buch sicher auch gut als Klassenlektüre anbieten.

Alles in allem ist “Was wir dachten, was wir taten” ein solider und spannender Roman für Jugendliche. Es bietet Stoff zum Nachdenken und regt dazu an, sich zu fragen wo die persönlichen Grenzen liegen, beziehungsweise wie die eigene Reaktion in so einer Krisensituation wäre - sofern man sowas überhaupt sagen kann. “Was wir dachten, was wir taten” ist aber auch für alle anderen empfehlenswert, die einfach mal etwas schnelle Spannung brauchen.

Details

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