Liebsheirat

von Monica Ali
Rezension von Olivia Spari | 13. September 2022

Liebsheirat

Worum geht es in diesem gefeierten Roman von Monica Ali? Um die kulturelle Differenz zweier Familien? Um Konflikte, die sich aus dieser Differenz ergeben? Diese Fragen stellt man sich zu Beginn vielleicht als Leser*in. Diese Geschichte fängt dort an, wo viele Liebesgeschichten enden - bei der Heirat! Dennoch ist dieser Roman so viel mehr, als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. Er nimmt zwei Familien genauer unter die Lupe - die Ghoramis und die Sangsters. Nebenbei fädelt Monica Ali geschickt noch weitere wichtige Themen wie Rassismus, Feminismus und alle Arten von Mängeln sowie Missständen im Gesundheitswesen ein.

Der Kern der Geschichte

In „Liebesheirat“ geht es um Yasmin Ghorami und Joe Sangster, die heiraten wollen. Erzählt wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers. Trotzdem bekommt man sehr viel von der Innenwelt aller Protagonisten sowie von ihren Gefühlen mit!
Zu Beginn ist die Spannung groß, denn ihre beiden Familien sollen sich kennenlernen. Die Feministin und Autorin Harriet trifft auf die Ghoramis, die ein eher streng konservatives Leben führen. Zunächst denkt man als Leser*in, dass die gesamte Geschichte von diesem sehr konfliktreichen Aufeinandertreffen handeln wird. Doch es ist nicht das Aufeinandertreffen dieser zwei Familien, das für Konflikte sorgt. Es sind die Ereignisse innerhalb der Familien sowie zwischen Joe und Yasmin. Wobei irgendwann der Blick von dem Paar - so scheint es - immer mehr abgewandt wird.

Ab einer gewissen Stelle geht es nur noch darum, wie jede*r einzeln für sich mit seinen Familienkonflikten und Problemen kämpft. Um ein Paar, das bald heiraten will und zusammen den Alltag meistern will, geht es bald nicht mehr. Monica Alis Roman besteht aus einer Menge Plot - Twists, die alle sehr spannend sind. Doch als Leser*in entsteht bald der Eindruck, dass die Autorin mit voller Absicht eine Entscheidung des Paares, ob sie nun endlich sich gegenseitig ihre Sorgen und Probleme offenbaren werden oder nicht, bis fast zum Schluss hinauszögert. Da entsteht schon eine gewisse Ungeduld. Stattdessen werden all die Kapitel dazwischen ausgeschmückt mit Szenen aus der Arbeit und viel medizinischem Fachwissen. Es kommt auch zu vielen Zufällen und ungeahnten Ereignissen.
Und dann, als beide die Geheimnisse voreinander nicht mehr aushalten, sprechen sie sich endlich aus. Das Ende ist unerwartet friedlich, angesichts der vielen Geheimnisse, die beide voreinander haben. Zudem hat sich Monica Ali für ein offenes Ende entschieden. Als Leser*in darf man somit darauf hoffen, dass die zwei Hauptprotagonisten vielleicht doch noch unter anderen Umständen zueinander finden werden.

Im Großen und Ganzen war es ein sehr interessanter Roman, die viele wichtige Themen aufgreift. Jedoch entsteht der Eindruck, dass die Autorin so viele Themen behandeln wollte, dass das Paar als solches aus dem Fokus geraten ist und man als Leser*in sich mehr Dialoge zwischen Yasmin und Joe erwarten würde. Zudem ging es in dem Roman um so viele Themen, dass manche davon nur sehr oberflächlich behandelt werden konnten. Ansonsten ist das Buch jedoch wunderbar und Monica Ali hat hier ein sprachliches Meisterwerk geschaffen! Es war sehr interessant, tiefer in die Welt der Medizin und des Gesundheitswesens einzutauschen. Deswegen kann der Roman allen, die sich sehr für medizinische Fälle, eingeflochten in eine komplexe Familiengeschichte, interessieren, sehr empfohlen werden! Und allen, die sich für die Hürden und Barrieren auf dem Weg zu Ehe interessieren.

Details

Bewertung

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